Infoscreens allein reichen nicht
Mehr Sichtbarkeit führt nicht automatisch zu besserer interner Kommunikation. Eine Untersuchung von Andrea Marijanovic, Social Media Managerin bei Spitex Zürich. zeigt, worauf es wirklich ankommt: Relevanz, Klarheit und Nähe zum Arbeitsalltag.
Andrea Marijanovic kennt die Praxis aus erster Hand. Nach der Ausbildung als Fachfrau Gesundheit und einem anschliessenden Studium der Betriebswirtschaft an der Universität Zürich untersuchte sie in ihrer Masterarbeit die interne Kommunikation bei Spitex Zürich. Im Zentrum stand dabei eine grundlegende Frage: Reicht es aus, Informationen sichtbarer zu machen, oder entscheiden ganz andere Faktoren darüber, ob Kommunikation tatsächlich wirkt?
Die Ausgangslage ist komplex. Rund 1’500 Mitarbeitende leisten jährlich etwa 1,2 Millionen Einsätze und betreuen über 10’000 Menschen in der Stadt Zürich. Die Organisation ist auf mehr als 20 Standorte verteilt, die sich in Grösse und Struktur stark unterscheiden. Während kleinere Teams aus rund 20 Mitarbeitenden bestehen, arbeiten an grossen Standorten bis zu 170 Personen. Diese dezentrale Struktur erschwert eine einheitliche Kommunikation erheblich, da sich die Mitarbeitenden selten gleichzeitig am gleichen Ort aufhalten.
Viele Kanäle, wenig Aufmerksamkeit
Die interne Kommunikation erfolgt primär über die App Beekeeper, auf die mehr als 90 Prozent der Mitarbeitenden über ihr Smartphone zugreifen. Die Plattform ermöglicht es, Informationen zu teilen, Beiträge zu kommentieren und sich in verschiedenen Chats auszutauschen – sei es im Team, am Standort oder in kleineren Gruppen.
Gleichzeitig hat sich eine Vielzahl an Kanälen entwickelt. Neben zentral gesteuerten Informationsbereichen existieren zahlreiche dezentrale Austauschformate. Ergänzt wird dies durch weitere Werkzeuge wie Microsoft Teams oder klassische E-Mail-Kommunikation. Diese Vielfalt führt dazu, dass Informationen zwar vorhanden sind, aber nicht zwingend wahrgenommen werden. Mitarbeitende wählen selektiv aus, was sie lesen, und blenden vieles aus.

Das Experiment mit Infoscreens
Vor diesem Hintergrund wurde ein Experiment durchgeführt. An zwei Standorten wurden zusätzliche Infoscreens installiert, während zwei weitere als Vergleichsgruppe ohne Screens dienten. Über einen Zeitraum von acht Wochen wurden Inhalte aus zentralen Kommunikationskanälen ausgewählt, gekürzt und visuell aufbereitet. Diese Inhalte wurden anschliessend auf den Screens ausgespielt.
Ziel war es, die Sichtbarkeit zentraler Informationen zu erhöhen und gleichzeitig zu untersuchen, ob sich dadurch das Informationsverhalten der Mitarbeitenden verändert. Nach Abschluss der Testphase wurden sowohl eine Online-Befragung durchgeführt als auch Nutzungsdaten der bestehenden Kommunikationskanäle ausgewertet.
Mehr Sichtbarkeit, aber keine Verhaltensänderung
Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild. Die Infoscreens wurden von den Mitarbeitenden grundsätzlich positiv wahrgenommen. Insbesondere bei zeitkritischen Themen oder Fristen erwiesen sie sich als hilfreiche Erinnerung. Die Sichtbarkeit von Informationen konnte tatsächlich gesteigert werden.
Allerdings zeigte sich kein Einfluss auf die Nutzung der bestehenden App. Die Mitarbeitenden griffen weiterhin in gleichem Umfang auf Beekeeper zu. Die Screens führten somit nicht zu einer Verlagerung des Kommunikationsverhaltens, sondern ergänzten die bestehenden Kanäle lediglich. Mehr Sichtbarkeit führte nicht automatisch zu mehr Nutzung.
Relevanz schlägt Kanal
Die vertiefte Analyse macht deutlich, dass nicht der Kanal entscheidend ist, sondern der Inhalt. Mitarbeitende reagieren vor allem auf Informationen, die kurz, verständlich und unmittelbar für ihren Arbeitsalltag relevant sind. Beiträge ohne direkten Bezug zur Pflegepraxis oder mit zu viel Text werden hingegen eher ignoriert.
Gleichzeitig wurde die Informationsflut als zentrales Problem benannt. Ein genauer Blick auf die Daten relativiert jedoch die Ursache. Im untersuchten Zeitraum veröffentlichte die Geschäftsleitung rund 80 Beiträge. Insgesamt wurden jedoch etwa 9’000 Beiträge auf Beekeeper durch die Mitarbeitenden selbst erstellt und rund eine halbe Million Chatnachrichten verschickt. Die hohe Informationsmenge entsteht somit primär durch die dezentrale Kommunikation unter den Mitarbeitenden und weniger durch zentrale Stellen.
Grenzen der Technik und Blick nach vorn
Auch die Platzierung der Screens erwies sich als entscheidend. Nur dort, wo sie gut sichtbar und in den Arbeitsalltag integriert sind, entfalten sie Wirkung. An weniger geeigneten Standorten werden sie schnell übersehen. Die technische Lösung allein reicht daher nicht aus, um Kommunikationsprobleme zu lösen.
Für die Zukunft ist dennoch ein Ausbau geplant. Alle Standorte sollen mit Infoscreens ausgestattet werden. Derzeit erfolgt die Aufbereitung der Inhalte manuell, was wöchentlich rund einen halben Tag in Anspruch nimmt. Künftig soll künstliche Intelligenz diesen Prozess unterstützen, indem sie Inhalte automatisch auswählt, kürzt und visuell aufbereitet. Ob dies die entscheidenden Herausforderungen löst, bleibt jedoch offen – denn die zentrale Erkenntnis bleibt bestehen: Nicht die Sichtbarkeit entscheidet, sondern die Relevanz der Inhalte.
Erkenntnisse
- Relevanz entscheidet, nicht der Kanal
Mehr Sichtbarkeit – etwa durch Infoscreens – erhöht zwar die Aufmerksamkeit, verändert aber das Verhalten der Mitarbeitenden kaum. Entscheidend ist, ob Inhalte kurz, verständlich und direkt im Arbeitsalltag nutzbar sind. - Informationsflut ist hausgemacht
Die grosse Menge an Informationen entsteht weniger durch zentrale Kommunikation als durch dezentrale Beiträge und Chats der Mitarbeitenden. Wer nur die Zentrale optimiert, greift daher zu kurz. - Technik ergänzt – löst aber keine Kommunikationsprobleme
Neue Tools wie Infoscreens können bestehende Kanäle sinnvoll ergänzen, ersetzen aber keine klare Inhaltsstrategie. Ohne durchdachte Platzierung, Priorisierung und Aufbereitung bleibt die Wirkung begrenzt.
Zitate Andrea Marijanovic
«Die Sichtbarkeit erhöht die Aufmerksamkeit, aber die Relevanz entscheidet über die Wirkung.»
«Die Informationsflut entsteht nicht zentral, sondern vor allem durch die dezentrale Kommunikation.»
Service
Deklaration: Das Referat wurde aufgezeichnet und dieser Text ist mittels KI entstanden.
