Hospital@Home als neue Herausforderung. Kürzlich luden die Gründer der Hospital at Home AG zu einer Informationsveranstaltung. Sie stellten ihr Konzept vor und wollten von den Spitex-Vertreterinnen und -Vertretern Feedbacks erhalten. Obwohl die Idee einer spitaläquivalenten Behandlung zu Hause begrüsst wurde, überwogen die kritischen Voten. Anwesend waren vier öffentliche und drei private Spitex-Organisationen sowie je eine Vertretung einer Krankenkasse und eines Software-Anbieters.

Die Gründer des Startups bringen langjährige Erfahrung im Gesundheitswesen mit. Als Verwaltungspräsident zeichnet KD Dr. med. Abraham Licht. Er ist Chefarzt des Notfallzentrums der Klinik Hirslanden und Mitbegründer und Partner des Ärztezentrums Sihlcity. Dann sitzt Dr. med. Stephan Pahls im Verwaltungsrat. Er arbeitet als selbstständiger Berater im Gesundheitswesen mit langjähriger Erfahrung im Spitalmanagement. Dritter im Bunde ist Gregor Gafner. Er leitet die Spitex Pfannenstiel und cura mia, beides Betriebe der Zollinger Stiftung in Forch.

Spitex-Organisationen bilden einen wichtigen Pfeiler im Konzept

H@H verfolgt die Vision, Patientinnen und Patienten eine schweizweite Spital äquivalente Versorgung zu Hause als Alternative zur Hospitalisation zu ermöglichen. Das Konzept soll das Schweizer Gesundheitswesen in Kosten und Personalbedarf entlasten und eine neue patientennahe Versorgung anbieten. H@H ist keine Schweizer Erfindung. Das Angebot funktioniert weltweit in über 20 Ländern. Erste Versuche gab es seit 2012, allerdings wurden diese ohne Erfolg abgebrochen. An der Tagung «Zukunft Spitex» vom Mai dieses Jahres stellte Christian Ernst, Klinikleitung Spital Zollikerberg, sein Projekt «Von care at home zu hospital at home». Allerdings weist sein Konzept einen entscheidenden Unterschied zu H@H auf. H@H will die Pflege zu Hause mit vertraglich gebundenen Spitex-Organisationen erbringen und nicht Pflegefachkräfte aus dem Spital einsetzen.

Laut Gregor Gafner will H@H mit öffentlich beauftragten wie auch mit privaten Spitex-Organisationen zusammenarbeiten. Für ihn steht die Qualität der erbrachten Leistung vor dem Leistungsauftrag. Damit eine Spitex als Partner in Frage kommt, muss ein umfangreicher Kriterienkatalog erfüllt werden. Selbstverständlich werde einer Spitex nicht einfach ein Patient zugeteilt. Sobald der Zusammenarbeitsvertrag unterschrieben ist, werden die Mitarbeitenden im H@H-Konzept geschult und für die neue Aufgabe fit gemacht. Wichtig ist die Tatsache, dass trotz Vertrag jede Spitex die Wahlfreiheit behält, ob ein Patient angenommen oder abgelehnt wird.

Software als Killerkriterium

Mit der Veranstaltung verfolgten die drei Gründer das Ziel, von den Anwesenden Feedbacks zu erhalten. Ein Frageblock umfasste die Finanzierung. Durch die finanzielle Entlastung der Spitäler würden die Krankenkassen und Gemeinden als Restfinanzierer stärker belastet. Die öffentliche Spitex ist ja über einen Leistungsvertrag mit der Gemeinde verbunden. Dort kommt keine Freude auf, wenn H@H Mehrkosten verursacht. Ein weiterer Fragenblock zielte auf das Problem und den überall vorherrschenden Fachkräftemangel. Dies würde auch die kurze Reaktionszeit von vier bis sechs Stunden nach Auftragserteilung in Frage stellen.

Bei einem weiteren Votum ging es um die Bedienung einer weiteren Software. Wenn die Pflegefachkräfte an zwei Orten Informationen erfassen müssten, wäre dies ein «no go». Der anwesende Vertreter des Softwarepartners bekräftigte, dass zu den gängigen Produkten wie Perigon, Swing, MLS, myneva swing, Nexus, careCoach Schnittstellen gebaut werden sollen. 2023 soll H@H starten. Als erster Zuweiser wurde Hirslanden genannt. Aufgrund der Erfahrungen soll dann das Angebot rasch ausgebaut werden. Die drei Gründer beantworten gerne Fragen zum Konzept und zu einer allfälligen Partnerschaft. Die Kontaktdaten sind auf der Website von H@H zu finden.