«Spitex und Pflegeheime sitzen im gleichen Boot», sagt Monika Schnoz, Co-Geschäftsleiterin vom Spitex Verband Graubünden. Gemeinsam polieren sie das Image der Langzeitpflege auf. Dabei setzen sie auf ganz neue Instrumente, wie beispielsweise Podcasts. Und Bewährtes – wie Publikationen, Plakate und Socken.

Spitex und Pflegeheime Graubünden spannen bei einer Imagekampagne für Langzeitpflege zusammen. Was sind die Überlegungen hinter dem Engagement?
Die Spitex und die Pflegeheime sitzen im gleichen Boot. Sie haben sich den gleichen Problemen zu stellen: Die Langzeitpflege hat ein Imageproblem und der Arbeitsmarkt ist praktisch ausgetrocknet. Deshalb haben sich der Spitex Verband Graubünden und der Bündner Spital- und Heimverband unter dem Label «Spitex und Pflegeheime Graubünden» zusammengeschlossen, um gemeinsam das Image des Pflegeberufes zu verbessern. Das Bündner Projekt orientiert sich an der nationalen Imagekampagne «Karriere machen als Mensch» von CURAVIVA Schweiz, Spitex Schweiz und OdASanté. Insbesondere sollen dabei die Mitarbeitenden als Markenbotschafter gewonnen und ihr Berufsstolz geweckt werden, damit authentisch und aus den eigenen Reihen heraus eine positive Wahrnehmung der Langzeitpflege angestossen wird. Mit der Bündelung unserer Kräfte hoffen wir mehr zu erreichen, als wenn jeder nur für sich schaut. Es geht um die ganze Branche, nicht nur um einzelne Bereiche oder einzelne Betriebe.


Wir setzen Podcasts ein – das Format trifft den Nerv der Zeit.

Monika Schnoz, Co-Geschäftsleiterin Spitex Verband Graubünden


Mailing, Plakate, Taschen, Socken

Bei der Kampagne setzen Spitex und Pflegeheime Graubünden stark auf digitale Kanäle. Warum?
Die Zielgruppe, die wir erreichen wollen, ist sehr heterogen. Es ist unmöglich, sie über nur einen Kanal zu erreichen. Deshalb haben wir die Kampagne so konzipiert, dass wir verschiedene Massnahmen über verschiedene Kanäle realisieren, um so crossmedial eine möglichst grosse Wirkung zu erzielen. Die digitalen Kanäle sind nur ein Teil vom Ganzen. Wir setzten auch auf klassische Printprodukte. Zum Beispiel bei der sogenannten «I love my Job Poscht», einem gedruckten Mitarbeitermailing, auf Out-of-home-media mit einer Plakatkampagne oder auch auf gängige Werbemittel wie Taschen oder Socken.

Die Kampagne setzt neu auch auf Podcasts. Was spricht für dieses neue Format?
Podcasts erleben zurzeit einen regelrechten Boom. Das Format trifft den Nerv der Zeit. Mit den Smartphones, die heute ja eine Selbstverständlichkeit sind, kann man jederzeit und von überall her auf sie zugreifen. Und man kann selbst aussuchen, welches Thema einem interessiert. Das Podcast-Hören lässt sich mit einer anderen Tätigkeit wie Kochen, Spazieren, Bügeln und so weiter kombinieren. Man braucht nicht in einen Bildschirm zu schauen, sondern kann einfach zuhören. Insbesondere bei jungen Personen ist das Format sehr beliebt. Somit können wir nicht nur ein junges Publikum ansprechen, sondern in einem Podcast kann man natürlich ganz anders Inhalte vermitteln als in anderen Formaten. Man kann ein Thema viel tiefgründiger beleuchten und persönliche Meinungen einbringen. Wir versuchen, unsere Gespräche so authentisch wie möglich zu machen – ohne Script oder vorgegebene Botschaften – das stellt Nähe und Glaubwürdigkeit her.

Podcast begleitet Pflegefachfrau bei der Arbeit

Was wird auf den Podcasts zu hören sein?
Wir haben zwei Podcast-Serien à je zehn Folgen konzipiert: Die eine Podcast-Serie begleitet eine Pflegefachfrau bei ihrer Arbeit und hält so die schönen, aber auch die herausfordernden Momente der Pflegearbeit fest. Die zweite Podcast-Serie setzt zehn Persönlichkeiten in den Fokus, die in irgendeiner Weise mit der Langzeitpflege verbunden sind – von der Pflegeheimleiterin über den Politiker bis zur Person, die auf Langzeitpflege angewiesen ist. Mit diesen Personen werden verschiedene Themen besprochen, damit die Serie vielfältig und abwechslungsreich wird. Zudem sind drei ausführliche Video-Talks geplant, bei denen jeweils zwei Experten zu je einen Themenschwerpunkt miteinander diskutieren werden.

Im Zentrum der Kampagne steht die Aussage „I love my job“. Wie wird die Verknüpfung in der Kampagne zur Langzeitpflege hergestellt?
Einen visuellen Bezug zur Pflege stellen wir ganz einfach über das Pflaster beim «love» vom «I love my Job»- Slogan her. Zudem ist unser Kampagnensujet eine Illustration von einer Frau, die klar als Pflegefachperson zu erkennen ist. Das ist aber nur das Visuelle. Viel wichtiger ist aber das Inhaltliche: Wir thematisieren und beleuchten die Langzeitpflege von allen Seiten: Mit welcher Ausbildung kommt man in die Langzeitpflege? Wie ist es, in der Langzeitpflege zu arbeiten? Was sind aktuelle Problemstellungen in der Langzeitpflege? Was haben Personen zu sagen, die in der Langzeitpflege arbeiten? Wie sehen sie ihren Beruf? Warum haben sie ihn gewählt? Würden sie es wieder tun? Die Verknüpfung erfolgt also über den sogenannten Content.

Basisorganisationen sind das wichtigste Glied der Kampagne

Beim Image arbeiten Spitex und Pflegeheime zusammen – im Arbeitsmarkt konkurrenziert man sich. Wie gehen die Basisorganisationen damit um?
Sie gehen sehr gut damit um. Und das ist auch enorm wichtig für uns – sonst würde die Kampagne nur halb so gut funktionieren. Die Basisorganisationen sind das letzte und wichtigste Glied bei der Kampagne. Würden sie das Projekt nicht unterstützen und sich nicht dafür engagieren, wäre unser Spiel- und Wirkungsraum eingeschränkt. Die Branche hat erkannt, wie wichtig es ist, am gleichen Strick zu ziehen, damit auch in Zukunft unsere Kunden optimal gepflegt werden können. Darum setzt man sich gemeinsam für die Langzeitpflege ein. Was uns natürlich hilft und die Zusammenarbeit zwischen Heim und Spitex erleichtert, ist die Situation im Kanton – die vermutlich ein wenig anders ist als in anderen Kantonen: Die Zusammenarbeit von Spitälern, Pflegeheimen und der Spitex ist politisch gewollt und wird in vielen Regionen schon seit vielen Jahren gelebt. Dass Spital, Spitex und Pflegeheim alle unter einem Dach sind und nicht nur organisatorisch zusammengehören, sondern auch eng zusammenarbeiten, ist in mehreren Gesundheitsregionen Alltag. Darum arbeiten wir von Spitex Verband auch sehr eng mit dem Bündner Spital- und Heimverband zusammen – wie eben hier bei dieser Imagekampagne.

Unterstützung aus den eigenen Reihen

Was empfehlen Sie anderen Spitex-Verbänden oder -Organisationen, die ebenfalls eine Imagekampagne machen wollen?
Der eben angesprochene Support aus den eigenen Reihen, also von den Basisorganisationen, ist entscheidet, ob man Erfolg hat oder nicht. Deshalb empfehle ich auf jeden Fall den direkten Einbezug der Organisationen in ein solches Projekt. Wir haben zum Beispiel ganz zu Beginn des Projektes eine Umfrage bei den Basismitarbeitenden gemacht. Wir wollten wissen, was ihre Erwartungen und Wünsche sind. Das war aufschlussreich und hilfreich.


In den ersten Podcast reinhören


Monika Schnoz

ist seit 2016 Co-Geschäftsleiterin vom Spitex Verband Graubünden. Der Verband ist die Dachorganisation von 18 Bündner Spitex-Basisorganisationen. Insgesamt arbeiten rund 1000 Personen für die Spitex im Kanton Graubünden.

Vor ihrem Engagement für den Spitex Verband Graubünden war Monika Schnoz für verschiedene Branding- und Kommunikationsagenturen tätig. Sie hat an der Universität Zürich Publizistikwissenschaft und Linguistik studiert und arbeitet neben ihrem Teilpensum bei der Spitex als freischaffende Kommunikationsberaterin.