Martin Radtke Leadership

Wenn sich die Bundespräsidentin ankündigt

Plötzlich meldet sich das Sekretariat und kündet den Besuch von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga an. Das hat Jim Wolanin erlebt, Präsident vom Spitex Kantonalverband Luzern. «Die Vorlaufzeit war extrem kurz», sagte er. Wohl aus Sicherheitsgründen sei der Sitzungsort erst kurz vor Sitzungsbeginn bekannt gegeben worden. Weil der Bund die Universität als Sitzungsort vorgab und somit kein Besuch bei einer Spitex-Organisation möglich war, nimmt Jim Wolanin eine erfahrene Pflegefachperson mit ans Gespräch und organisiert einen Telefongespräch mit einer Spitex-Kundin.

Wie hat der Spitex Kantonalverband Luzern es geschafft, dass die Bundespräsidentin zu Besuch kommt?
Die Überraschung war gross, als ich in meinem E-Mailpostfach eine Anfrage des UVEK vorfand. Es hiess, die Bundespräsidentin wolle sich ein Bild über die Situation bei der Spitex machen und habe sich dazu den Kanton Luzern ausgesucht. Offenbar hat die Tätigkeit der Spitex im Kanton Luzern das Interesse der Bundespräsidentin geweckt. Die Bundespräsidentin war beeindruckt davon, wie gut die Spitex in die kantonalen Strukturen integriert ist und dass der Kantonalverband von Anfang an in den kantonalen Krisenstab integriert wurde. Zudem leistet die Spitex mit dem Drive-In, den Massentests und den Test zu Hause einen substanziellen Beitrag in der kantonalen Gesundheitsversorgung.


«Die Bundespräsidentin hat sich wirklich für die Anliegen der Spitex interessiert.»

Jim Wolanin, Präsident Spitex Kantonalverband Luzern


Extrem kurze Vorlaufzeit

Wie bereitet man sich auf einen solchen Besuch vor?
Die Vorlaufzeit war extrem kurz, und der Besuch erfolgte sehr kurzfristig. Zudem wünschte das UVEK, dass möglichst wenige im Vorfeld davon erfahren sollten. Wahrscheinlich aus Sicherheitsüberlegungen. Wir haben uns im Vorstand und auch mit Spitex Schweiz ausgetauscht und festgehalten, was wir ihr mitgeben wollten. Ziel war es einerseits möglichst gut und authentisch auf die Fragen der Bundespräsidentin eingehen zu können und anderseits die Gelegenheit zu nutzen um unsere Anliegen zu deponieren. Darauf haben wir uns natürlich trotz der kurzen Vorlaufzeit vorbereitet.

Was wollten Sie der Bundespräsidentin zeigen?
Da ich als Verbandspräsident nicht direkt in der Pflege und Betreuung tätig bin, war es mir ein Anliegen, dass der Praxisbezug nicht zu kurz kommt. Im Eiltempo haben wir ein Telefongespräch zwischen der Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und einer Spitex-Klientin organisiert – sie hat später sogar eine Karte und einen Blumenstrauss der Bundespräsidentin erhalten. Weiter habe ich Sonja Forster, eine erfahrene Pflegefachfrau, mit an das Gespräch genommen. Sie konnte aus dem Praxisalltag berichten und auch entsprechende Fragen beantworten.

Bundespräsidentin reist mit dem Zug

Wo fand das Treffen statt?
Das Sekretariat der Bundespräsidentin hat uns den Sitzungsort erst kurz vor der Sitzung bekannt gegeben. Es war ein Sitzungsraum der Universität Luzern. Die Bundespräsidentin ist mit dem Zug angereist und konnte, da die Universität gleich neben dem Bahnhof liegt, zu Fuss an die Sitzung kommen. Leider war kein Besuch einer Spitex-Organisationen möglich, ich hätte dies sehr begrüsst.

Worüber haben Sie mit der Bundespräsidentin gesprochen?
Die Bundespräsidentin war sehr interessiert und stellte spannende Fragen. Sie wollte ganz genau wissen, was gut funktioniert und wo der Schuhe drückt. Ich hatte den Eindruck, dass sie sich trotz der knappen Zeit einen guten Überblick verschaffen konnte. Besonders beeindruckt war die Bundespräsidentin, dass im Kanton Luzern die Spitex von Anfang an als vollwertiger Partner im kantonalen Krisenstab einbezogen wurde. Sie verstand auch unsere Forderungen nach Einbindung, Kompetenzen und Ressourcen.

Was nimmt der Spitex Kantonalverband Luzern, was nehmen die Spitex-Organisationen im Kanton Luzern vom Besuch mit?
Grundsätzlich ist es sehr erfreulich, dass sich die Bundespräsidentin für die Spitex interessiert und sich ein Bild von der Tätigkeit der Spitex im Kanton Luzern macht. Die Bundespräsidentin hat im Gespräch zum Ausdruck gebracht, dass sie selber weder etwas versprechen, noch entscheiden könne. Aber im Rahmen einer Medienkonferenz hat die Bedeutung der Spitex in der Gesundheitsversorgung im Allgemeinen und zur Bewältigung der Corona-Kriese im Speziellen öffentlich gemacht. Die öffentliche Anerkennung der Spitex-Arbeit von höchster Stelle und das breite Medienecho, in welche auch unsere Anliegen zu Wort kamen, dient unserer Sache. Der Besuch der Bundespräsidentin ist ein starkes Zeichen und ein enorme Wertschätzung gegenüber der Arbeit, die im Kanton Luzern geleistet wird.

Grosse Wertschätzung für Arbeit der Mitarbeitenden

Was nehmen Sie persönlich mit aus dieser Begegnung?
Mich hat beeindruckt, dass sich die Bundespräsidentin trotz voller Agenda und unzähliger Anfragen Zeit für diesen Austausch genommen hat. Es hat mir imponiert, wie sie sich wirklich für die Situation in der Spitex interessiert hat und bereit war, unsere Anliegen anzuhören. Für mich persönlich, war der Besuch der Bundespräsidentin eine Bereicherung. Man darf sich keine Illusionen machen, ein solcher Besuch ändert für sich alleine nicht viel, aber hilft uns in der Öffentlichkeit präsenter zu sein und unseren Anliegen Gehör zu verschaffen.


Jim Wolanin 

ist seit März 2019 Präsident des Spitex Kantonalverbands Luzern. Davor war er sieben Jahre lang Vorstandsmitglied. Der Spitex Kantonalverband Luzern vertritt die Interessen von 27 Spitex-Basisorganisationen, die insgesamt rund 1500 Mitarbeitende beschäftigen.

Jim Wolanin ist selbstständiger Unternehmensberater. In seiner Wohngemeinde Neuenkirch LU sitzt er als Sozialvorsteher im Gemeinderat. Er präsidiert die Kantonalkommission Pro Infirmis Luzern, Ob- und Nidwalden sowie die kantonsrätliche Kommission für Gesundheit, Arbeit und soziale Sicherheit. Jim Wolanin ist Mitglied der kantonsrätlichen Gewerbekammer und sitzt im Beirat des Luzerner Sinfonieorchesters und ist Stiftungsrat der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern SSBL und der Edy Renggli Stiftung.

Jim Wolanin hat ursprünglich eine Lehre als Fachmann Radiologie HF absolviert und später verschiedene Weiterbildungen absolviert. Darunter einen MBA der Wirtschaftsuniversität Wien.