Die Spitex Bern ist bei den Geschenken für die Mitarbeitenden neue Wege gegangen: Sie hat Arbeitskleider, die nicht mehr in den Einsätzen gebraucht werden können, zu neuen Produkten «veredeln» lassen. So sind aus alten Regenjacken, Poloshirts und Sweatjacke ein kleiner Rucksack, eine Tablethülle sowie ein Necessaire entstanden. «Bei der Spitex Bern ist Nachhaltigkeit ein immer wichtigeres Thema», sagt Projektleiterin Patricia Portmann. «Unsere doch etwas speziellen Geschenke kamen gut an!»

Wie ist die Spitex Bern auf die Idee des Upcyclings gekommen?

Wir rüsten unsere Mitarbeitenden mit Arbeitskleidern aus. Haben sie starke Gebrauchsspuren, nehmen wir sie zurück. Doch oft sind sie noch in gutem Zustand. In den letzten Jahren hat das Thema Nachhaltigkeit bei der Spitex Bern einen immer grösseren Stellenwert bekommen. Bislang haben wir die Kleider nach Bulgarien weggegeben, was sicher auch sinnvoll ist. Es hat sich aber die Idee durchgesetzt, dass wir den Kleidern ein neues Leben schenken und daraus etwas Nachhaltiges in der Region Bern produzieren wollten. Denn «unsere» Kleiderfarben Gelb und Dunkelbau haben einen hohen Wiedererkennungswert – sowohl bei unseren Kundinnen und Kunden wie auch bei den Mitarbeitenden. Deshalb kamen wir schliesslich auf die Idee, aus alten Kleidern neue Produkte nähen zu lassen, die wir dann als Geschenk an die Mitarbeitenden abgeben.


«Das Upcycling vermittelt grundlegende Werte der Spitex Bern wie nachhaltig, ökologisch und sozial engagiert.»

Patricia Portmann, Kommunikation Spitex Bern


Wie haben Sie Ihren «Veredlungspartner» gefunden?

Das war ein hartes Stück Arbeit! Viele Mails und Telefonanrufe führten schliesslich zum Ziel. Wir wollten einen Partner in der Region Bern finden und gleichzeitig eine gute Sache unterstützen. Es gibt einige Organisationen für Arbeitsintegration. Doch nicht alle haben eine Näherei mit dem entsprechenden Know-how. Auch waren Auftragsmenge und der Lieferzeitpunkt eine besondere Herausforderung: Wir haben total 400 Stück produzieren lassen und wollten die Geschenke im September bereit haben. Mit der BEWO haben wir einen kompetenten und professionellen Anbieter gefunden, der auf unsere Wünsche eingegangen ist und das nötige Wissen im Bereich Schnittmuster und Nähen mitgebracht hat.

Wer ist die BEWO?

BEWO bedeutet «Berufliche Eingliederung und Werkstätte Oberburg» und ist eine Genossenschaft. Die Organisation bietet über 200 angepasste Arbeits- und Integrationsplätze für Menschen, die aus psychischen Gründen in ihrem Leben besonders gefordert sind und eine Integration in die Arbeitswelt suchen. In der Zwischenzeit hat sich die BEWO zum grössten Arbeitgeber für Menschen vor allem mit psychischen Beeinträchtigungen zwischen Burgdorf und Thun entwickelt.

Wie ging es dann weiter?

Über mehrere Wochen haben wir Ideen entwickelt, sie verworfen, neu gedacht. Wir haben verschiedene alte Kleidungsstücke eingeschickt. Zurück kamen Prototypen, die wir miteinander diskutiert und optimiert haben. Der ganze Prozess startete im Frühling 2022. Mitte September wurden schliesslich die Produkte geliefert. Es war eine intensive Zeit, in der wir alle viel gelernt haben!

Was für Produkte haben Sie «veredeln» lassen?

Wir haben gelbe Regenjacken, blaue Poloshirts und gelbe Sweatjacken geliefert – und einen kleinen Rucksack, eine Tablethülle sowie ein Necessaire zurückbekommen. Es ist schon faszinierend zu sehen, was aus gebrauchten, teilweise kaputten Kleidungsstücken neu genäht werden kann.

Dieses Necessaire war mal eine Regenjacke.

Erhielten alle Mitarbeitenden alle Produkte?

Nein, sie mussten sich für eines entscheiden. Wir haben Mitte September einen Mitarbeiteranlass organisiert. Dort konnten die drei Produkte angeschaut und angefasst werden. Schliesslich musste man sich entscheiden. Seit Oktober können auch alle neu eintretenden Mitarbeitenden am ersten Arbeitstag ein Produkt auswählen.

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht, von denen andere Spitex-Organisationen profitieren können?

Die Idee ist sehr gut angekommen bei den Mitarbeitenden. Sie vermittelt grundlegende Werte der Spitex Bern wie nachhaltig, ökologisch und sozial engagiert. Die Umsetzung ist ein Prozess, der eine Weile dauert. Entsprechend muss man dafür genügend Zeit einplanen. Doch das lohnt sich! Wir möchten die Idee auch weiterentwickeln und eventuell das nächste Mal ein Kundengeschenk entwerfen und produzieren.


Patricia Portmann

ist seit April 2021 Teilzeitmitarbeiterin Kommunikation bei der Spitex Bern. Daneben ist sie seit Jahren selbständig und arbeitet für verschiedene Kundinnen und Kunden – immer im Bereich Marketing, Werbung und PR.