Der Spitex Verband Aargau und die Vaka, der Gesundheitsverband im Kanton Aargau, gehen zusammen. Fortan werden die Interessen der ambulanten Pflege durch die Vaka, Sparte Spitex, wahrgenommen. «Die Spitex ist ein starker Brand, der erhalten bleibt», sagt Michael Ganz, ehemaliger Präsident des Spitex Verbands Aargau und neuer Präsident der Sparte Spitex in der Vaka. «Im Kanton Aargau stehen wichtige Fragen im Gesundheitswesen an. Es hilft, wenn wir dafür jetzt unsere Kräfte bündeln.»

Was ist das Ziel vom Zusammenschluss des Spitex Verbands Aargau und der Vaka?
Michael Ganz: Wir wollen die Anliegen der Spitex stärken. Das gelingt uns mit dem Zusammenschluss. Einerseits können wir durch die räumliche Nähe der Geschäftsstellen noch enger zusammenarbeiten und auch Synergien nutzen. Denn seit einigen Jahren sind die Vaka-Geschäftsstelle und die Spitex-Geschäftsstelle im gleichen Bürogebäude auf dem gleichen Stockwerk. Da liegt eine engere Zusammenarbeit auf der Hand. Anderseits können wir als Spitex stark vom politischen Gewicht profitieren, das die Vaka in der Kantonalpolitik in die Waagschale legen kann.


Michael Ganz

«Mit dem Zusammenschluss stärken wir die Anliegen der Spitex.»

Michael Ganz, Präsident Sparte Spitex der Vaka


Spitex hat weiterhin eigenen Vorstand

Wie gut können Sie Spitex-Anliegen innerhalb der neuen Strukturen durchsetzen?
Die Vaka, das ist der Gesundheitsverband Aargau, ist in Sparten gegliedert. Bisher gab es die Sparten Akutspitäler, Reha, Psychiatrie sowie stationäre Langzeitpflege. Die Spitex wird nun zur fünften Sparte. Die Sparten haben innerhalb des Verbandes eine gewisse Unabhängigkeit. Das heisst: Die Spitex hat weiterhin ihren eigenen Vorstand, für die Sparte zuständige Mitarbeitende auf der Geschäftsstelle und ihre eigenen Strukturen. Wir können unsere bisherigen Tätigkeiten weiterführen und das Angebot für unsere Mitglieder aufrechterhalten. Gleichzeitig profitieren wir nun aber stark vom gemeinsamen Knowhow aller Sparten. Insbesondere wenn es um übergeordnete Themen wie integrierte Versorgung oder Digitalisierung geht. Grundlagen dafür müssen künftig nur einmal erarbeitet werden. Bis anhin hat das jeder Verband unabhängig gemacht; abgesehen von punktuellen Absprachen.

Bleibt der Name «Spitex» in der neuen Struktur erhalten?
Selbstverständlich! «Spitex» ist ein wertvoller Brand – der bleibt unverändert. Wichtig ist ja, dass unsere Mitgliedorganisationen als «Spitex» nach aussen auftreten können. Nun kümmert sich auf kantonaler Ebene eben die Sparte Spitex der Vaka um die Interessen der Basisorganisationen. Damit kann ich gut leben.

Jeweils fast identische Antworten

Wie ist es zur Annäherung gekommen?
Ausschlaggebend war die räumliche Nähe der Geschäftsstellen. In der Cafépause oder bei Ganggesprächen haben wir herausgefunden, dass der Kanton bei Vernehmlassungen oft den Spitex Verband Aargau und die Vaka gleichzeitig angeschrieben hatte. Wir haben inhaltlich jeweils fast identische Antworten gegeben. Der Gedanke ist gereift, dass wir das auch gemeinsam machen könnten. Vor drei Jahren wurde extern geklärt, ob ein Zusammengehen machbar und sinnvoll wäre. Beide Seiten sind zum Schluss gekommen, dass dieser Schritt zukunftsweisend sein könnte. Also haben wir uns an die Arbeit gemacht.

Was ändert sich für eine Spitex-Organisation durch das Zusammengehen?
Kaum etwas. Es war uns wichtig, dass das Dienstleistungsangebot für den Moment unverändert bleibt, ebenso die Höhe der Mitgliederbeiträge. Auch die Ansprechpersonen sind die gleichen.

Stark in der politischen Kommunikation

Wie sieht die Zukunft aus?
Im Kanton Aargau steht die gesundheitspolitische Gesamtplanung an. Hier werden neue Grundsätze fürs Gesundheitswesen festgeschrieben. Denkbar ist beispielsweise, dass es weitere Liberalisierungsschritte geben könnte und die Gemeinden Spitex-Leistungen künftig ausschreiben müssen. Oder dass Normkosten festgelegt werden. Das kennen wir im Kanton Aargau noch nicht. Die Vaka ist besonders stark in der politischen Kommunikation. Es hilft der Spitex bestimmt, wenn wir für die anstehenden Diskussionen als Teil der Vaka auftreten.

Erwarten Sie noch mehr Fusionen?
Ja, bei den Basisorganisationen wird sich dieser langjährige Trend bestimmt fortsetzen. Für mich ist klar, dass Spitex-Organisationen eine bestimmte Grösse brauchen, damit sie vernünftig arbeiten können. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir auch auf Verbandsebene in Zukunft engere Kooperationen oder gar Zusammenschlüsse sehen werden. Es macht oft einfach mehr Sinn.


Michael Ganz

ist seit 2021 Präsident des Spitex Verbands Aargau und seit 2017 Präsident der Spitex Aarau. Hauptberuflich ist Michael Ganz Geschäftsleiter von Sexuelle Gesundheit Aargau und Inhaber des Boiler Club in Aarau.