Die Spitex Bassersdorf Nürensdorf Brütten hat sich entschieden, für die Medikamentenverabreichung an ihre Klientinnen und Klienten mit der Apotheke Zur Rose zusammenzuarbeiten. Wie dieser Umstellungsprozess abgelaufen ist, welche Massnahmen getroffen wurden und welche Vorteile sich dadurch ergeben haben, erklärt Gerhard Lechner, Geschäftsführer der Spitex.

Wie lief das Medikamentenmanagement bisher ab?
Gerhard Lechner: Die Spitex versorgt in den drei Gemeinden Bassersdorf, Nürensdorf und Brütten gemäss Leistungsvereinbarung circa 20’000 Einwohnerinnen und Einwohner mit Dienstleistungen rund um die Gesundheit. Dazu gehört auch die Abgabe von Medikamenten, in Zusammenarbeit mit den Hausärzten und Apotheken.


«Neue Wege beim Medikamentenmanagement bei der Spitex.»

Gerhard Lechner, Geschäftsführer Spitex Bassersdorf Nürensdorf Brütten


Was war die grösste Herausforderung dabei?
Medikamente dürfen bekanntlich nicht mehr im Stützpunkt gelagert werden. Dies führt dazu, dass die Medikamente bei der Apotheke oder beim Hausarzt geholt werden und direkt auf die Klientinnen und Klienten verteilt werden mussten. Für die Spitex bedeutete dies ein erheblicher Mehraufwand, welcher nicht entsprechend entschädigt wurde.

Das frühere System führte immer wieder zu Missverständnissen und Leerläufen. Verschiedene Systeme waren bei der Abwicklung involviert. Es gibt ja noch keinen durchgängigen Prozess, der von den Software-Herstellern unterstützt wird. Einmal wurde ein Medikament nicht bestellt oder etwas hat bei der Lieferung gefehlt. Auch gestaltete sich die Zusammenarbeit mit der lokalen Apotheke immer schwieriger. Also genügend Gründe, um das Medikamentenmanagement zu überdenken.

Ganz wichtig: Es waren «interne» Probleme, die sich nie auf die Klientinnen und Klienten auswirkten.

Klare Abläufe schaffen Sicherheit

Welche Vorteile haben Sie jetzt mit der Zusammenarbeit mit der Apotheke Zur Rose?
Heute haben wir klare Abläufe zwischen der Spitex und Zur Rose. Besonders schätzen wir, dass wir eine Ansprechperson haben. Diese kümmert sich um unsere Anregungen und Wünsche. Dann sehen wir bei verblisterten Medikamenten auch das Mehraugen-Prinzip von Zur Rose als grossen Vorteil. Und schliesslich bietet die Versandapotheke verschiedene Optionen wie Originalpackungen oder eben die verblisterten Medikamente.

Wie haben Sie und Ihr Team die Umstellung umgesetzt?
Die ganze Umstellung wurde vom Team angestossen. Die bereits erwähnten Schwierigkeiten konnten mit der bisherigen Hauptapotheke nicht zufriedenstellend gelöst werden. So schauten wir uns auf dem Markt um und liessen uns schliesslich vom Angebot von Zur Rose überzeugen. Zusammen mit der Ansprechperson von Zur Rose führten wir zwei Workshops durch. Danach waren die Grundzüge der Zusammenarbeit definiert.

Hausärzte sind Teil der Lösung

Wie haben Sie die beteiligten Ärzte einbezogen?
Mit den Hausärzten sind wir via Qualitätszirkel laufend im Austausch. Bei dieser Gelegenheit wird das Medikamentenmanagement immer wieder thematisiert. Auch die Hausärzte sind an einem reibungslosen Ablauf interessiert. Vorteilhaft ist sicher, dass einige der Hausärzte ebenfalls mit Zur Rose zusammenarbeiten. Gemeinsam soll der Prozess weiter verfeinert werden.

Wie sieht der Prozess der Medikamentenverabreichung nach der Umstellung aus?
Jeder Klient und jede Klientin hat heute eine spezielle Box zu Hause. Darin werden die Medikamente bis zur Abgabe zwischengelagert. Das Richten und Kontrollieren der Medikamente geschehen ebenso vor Ort bei den Klienten. Wir sind uns der Schwachstellen dieser gesetzlichen Vorgabe bewusst. Zu Hause ist z.B. die gekühlte Lagerung schwieriger umzusetzen. Auch die Hygiene vor Ort lässt manchmal zu wünschen übrig. Schliesslich erfordert das Richten und Kontrollieren vor Ort höchste Konzentration, was vor allem bei sehr kommunikativen Klientinnen schwierig ist. Damit müssen unsere Pflegefachpersonen einfach umgehen können.

Die Spitex ist auch Ausbildungsbetrieb. Heute können wir den Lernenden FaGe die Arbeiten rund ums Medikamentenmanagement wieder adäquat vermitteln.

Vorteile überwiegen

Was sind die Vorteile der Umstellung auf Zur Rose und auf die Verblisterung?
Wir haben heute weniger Schnittstellen zwischen der Spitex und den Klientinnen und Klienten bezüglich Medikamentenmanagement. Die Qualität im Prozess wurde gesteigert, die Mitarbeitenden fühlen sich dank des Mehraugen-Prinzips von Zur Rose besser unterstützt.

Der Verblisterung geben wir grosse Chancen. Auch weil diese Methode aktiv gegen die Medikamentenverschwendung wirkt. Aktuell nutzen wir diesen Service nur für wenige Klientinnen und Klienten. Bei diesen haben wir eine stabile Medikation. Wir können uns den Ausbau einer wochenweise Verblisterung auch bei volatiler Medikation aber vorstellen und versprechen uns einiges davon.

Wie waren die Rückmeldungen der Pflegefachpersonen?
Wir stehen ja mit dem neuen Medikamentenmanagement und der Zusammenarbeit mit Zur Rose noch am Anfang, sind wir doch erst in diesem Jahr gestartet. Die zwei Fachpersonen, welche für die Medikamente innerhalb der Spitex zuständig sind, äusserten sich bisher aber sehr zufrieden mit der Kooperation.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit Zur Rose?
Noch ist der Feinschliff nötig. Aber über Alles gesehen sind wir positiv überrascht von der Zusammenarbeit mit Zur Rose. Auf jeden Fall wollen wir den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen, auch unter Einbezug der Hausärzte.


Gerhard Lechner

Jahrgang 1962, wohnhaft in Frauenfeld, Studium Betriebswirtschaft und Management im Gesundheitswesen, Unternehmensberatung, Projektmanagement, Interimsmanagement, seit 2021 Geschäftsführer Spitex Bassersdorf Nürensdorf Brütten.


Das Team von Alexander Ott, Leiter Institutionen bei Zur Rose, hat die Umstellung des Medikamentenmanagements bei der Spitex Bassersdorf Nürensdorf Brütten begleitet. Im Gespräch betont er, dass beim Gesundheitsdienstleister Zur Rose Sicherheit und Hygiene oberstes Gebot seien. Jede Medikamentenbestellung wird zwischen Eingang und Auslieferung mindestens von sechs Augen kontrolliert. Zusätzlich wird der Prozess optisch überwacht. Die Spitex Organisation kann sich also vollumfänglich auf den Lieferanten Zur Rose verlassen. In diesem Zusammenhang wird immer wieder erwähnt, dass bei den Pflegepersonen Kompetenzen wegfallen. Ott antwortet dazu mit dem Beispiel des Piloten. Niemand würde die Kompetenz eines Piloten anzweifeln, wenn das Flugzeug mit dem Autopiloten gesteuert wird. Und im Cockpit würde mindestens noch ein Co-Pilot sitzen.

Im Weiteren steigt mit der Medikamentenverblisterung die Hygiene. Anstatt zu Hause am Küchentisch bei der Kundin werden die Medikamente im Reinraum in Frauenfeld bereitgestellt. Zur Rose legt auch grössten Wert auf Sicherheit bei der Medikamentenabgabe. Alexander Ott ist aufgrund der bisherigen Erfahrung überzeugt, dass dank der Verblisterung weniger Fehlmedikationen passierten. Mit der systematischen Erfassung der sog. Critical Incidents würde die Transparenz erhöht und alle Spitex-Organisationen könnten daraus lernen.

Auch leiste das Angebot von Zur Rose einen wichtigen Beitrag zur Kostensenkung. Wechsel bei den Medikamenten seien üblich. Dank der Verblisterung würden nicht mehr ganze Packungen entsorgt. Neben rezeptpflichtigen Medikamenten liefert Zur Rose praktisch alles, was für die Gesundheit, Hygiene oder einfach das Wohlbefinden nötig ist. Im modernen Zentrallager in Frauenfeld lagern tausende Artikel wie Inkontinenzmaterial, Ovomaltine, Sonnenschutzcrème.