Die Stadt Luzern verfolgt die Absicht, Viva Luzern, Spitex Stadt Luzern und Vicino Luzern in einer einzigen Organisation zusammenzufassen. Im Sinne einer integrierten Versorgung soll diese Organisation künftig alle Bedürfnisse entlang von vorgelagert – ambulant – stationär abdecken. Viva Luzern ist ein stationäres Angebot und gehört der Stadt. Spitex Stadt Luzern erbringt ambulante Leistungen im Auftrag der Stadt. Vicino Luzern hat den städtischen Auftrag zur Quartierarbeit für ältere Menschen. «Wir wollen die Versorgung konsequent auf den individuellen Bedarf des einzelnen Menschen ausrichten», sagt Projektleiterin Armida Raffeiner. Sie ist Stabschefin der Sozial- und Sicherheitsdirektion der Stadt Luzern.

Ein Projekt der Stadt Luzern verfolgt das Ziel, die integrierte Versorgung auf Stadtgebiet effizienter zu organisieren. Wo gibt es denn Schwierigkeiten in der Versorgung?
Der Auslöser für die Zielsetzung einer integrierten Versorgung waren nicht Schwierigkeiten in der Versorgung. Die Stadt Luzern besitzt bereits heute eine sehr gute Alters- und Pflegeversorgung. Es war die Herausforderung, die städtischen Alterswohnungen aufgrund des vorhandenen Sanierungsbedarfs neu zu positionieren. Dabei stellten sich Frage nach der Zielsetzung und dem Nutzen des städtischen Engagements im Bereich des Alterswohnens. In einer längeren politischen und fachlichen Diskussion wuchs die Überzeugung, dass eine Einbindung der städtischen Alterswohnungen in eine integrierte Versorgung den grössten Nutzen bringt. Dabei wurden auch die Chancen einer organisatorischen Zusammenführung von ambulanter und stationärer Pflege und Betreuung sichtbar. Im gemeinsamen Prozess von Spitex Stadt Luzern, Viva Luzern, dem Verein Vicino und der städtischen Verwaltung wurde der Nutzen einer integrierten Versorgung aufgezeigt. Wir wollen die Versorgung konsequent auf den individuellen Bedarf des einzelnen Menschen ausrichten. Damit ermöglichen wir den Betroffenen, dass sie besser und länger in einer selbstgewählten und selbst gestalteten Wohnsituation selbständig und selbstbestimmt leben können.


«Die Umsetzung der integrierten Versorgung ist in den leistungserbringenden Unternehmen anspruchsvoll.»

Armida Raffeiner, Stabschefin Sozial- und Sicherheitsdirektion der Stadt Luzern.


Durchlässige Prozesse zu entwickeln, ist herausfordernd

Schon das Nachdenken über eine mögliche Zusammenführung von so unterschiedlichen Organisationen ist anspruchsvoll. Was für einen Beitrag müssen die einzelnen Akteure leisten, damit das Projekt gelingen kann?
Tatsächlich sind die Entwicklung einer integrierten Versorgung und die damit verbundene Organisation vernetzter und durchlässiger Leistungsprozesse komplexe und ambitiöse Herausforderungen. Ein wichtiger Beitrag der verschiedenen Akteure ist es, den Sinn und den Wert einer solchen Konzeption zu erkennen und gegenüber den bestehenden Doktrinen und Kulturen zu vertreten. Es ist erfreulich zu sehen, wie Politikerinnen und Politiker das Thema der integrierten Versorgung über die Parteigrenzen hinweg positiv aufnehmen. Dies häufig vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen aus ihren Verwandten und Bekanntenkreis mit den Defiziten einer stark segmentierten Versorgung. Anspruchsvoll ist die Umsetzung der integrierten Versorgung in den leistungserbringenden Unternehmen. Hier ist die Führung herausgefordert. Es gilt den Mitarbeitenden den Sinn und den Wert einer integrierten Versorgung aufzuzeigen und sie in die Entwicklung einzubinden. Es braucht die Offenheit aller, sich auf neue Zielsetzungen und Herausforderungen einzulassen.

Eine kompetente Ansprechperson für Kundinnen und Kunden

Was wird der Nutzen für Spitex-Kundinnen und -Kunden sein, wenn die Spitex Stadt Luzern Teil einer integrierten Organisation ist?
Die Spitex-Kundinnen und -Kunden sollen bei der integrierten Organisation alle notwendigen Leistungen beziehen können, um so lange wie möglich und gewünscht in ihrem bisherigen Zuhause oder in einer selbstgewählten und ihrem Bedarf angepassten Wohnsituation in ihrem angestammten Quartier leben zu können. Es steht ihnen und ihren Angehörigen eine Ansprechperson zur Verfügung, die sie kompetent beraten und rasch und ohne grossen administrativen Aufwand die notwendigen Leistungen organisieren kann. Denn die integrierte Organisation verfügt über eine breite Palette an Leistungen über die ganze Versorgungskette hinweg. Dies kann beispielsweise ein Mittagstisch sein, der heute vom Verein Vicino lanciert wird, oder bei Bedarf ein befristetes Tages- oder Nachtbett, das heute bei der stationären Anbieterin Viva Luzern zu finden ist.
Wichtig ist uns, dass die Wahlfreiheit weiterhin gegeben ist. Das heisst beispielsweise, dass eine Person, die ambulante Spitex-Leistungen bei der integrierten Organisation bezieht, sich bei Bedarf trotzdem für stationäre Leistungen einer anderen Organisation entscheiden kann. Auch private Spitex-Organisationen, bei welchen Leistungen bezogen werden können, wird es weiterhin geben.

Optimierte Schnittstellen für Zuweisende

Welchen Nutzen haben Zuweisende?
Die Arbeit der zuweisenden Ärzte oder Sozialdiensten der Spitäler wird erleichtert. Die integrierte Versorgung optimiert die Schnittstellen zu ihnen, verstärkt die Verantwortung für eine bedarfsgerechte Bereitstellung und übernimmt die Gestaltung des Leistungsangebots im Einzelfall, zum Beispiel mit einem Case Management.

Was sind die nächsten Projektschritte, wie sieht die Meilensteinplanung aus?
Das Parlament von Luzern hat die Sozial- und Sicherheitsdirektion beauftragt, gemeinsam mit den leistungserbringenden Partnern auf der Basis der vorliegenden Modell-Entscheide und Zielsetzungen ein integriertes Versorgungskonzept zu erstellen. Auf dieser Basis soll in einem weiteren Schritt die Zusammenführung von Spitex Stadt Luzern, Viva Luzern und dem Verein Vicino geprüft und in einem Organisationskonzept konkretisiert werden. Eine Umsetzung dieser Konzepte ist abhängig von politischen und unternehmerischen Entscheiden und frühestens ab 2024/2025 möglich.


Armida Raffeiner

Stabschefin der Sozial- und Sicherheitsdirektion der Stadt Luzern und Leiterin des Projekts «Alterswohnen integriert»
Lic. iur. Armida Raffeiner hat an der Uni Basel Rechtswissenschaft studiert und sich in Mediation, politischer Kommunikation und Organisationsentwicklung weitergebildet. Sie ist Vizepräsidentin von Procap Luzern, Ob- und Nidwalden (Mitgliederorganisation für Menschen mit Handicap).