«Wir sind gut aufgestellt und bereit für den grossen Run» sagt Dr. Devrim Yetergil Kiefer, Geschäftsleiterin der Spitex Zürich Sihl. Während der Covid-19-Pandemie müsse der Führungsstil angepasst werden. Es müsse rasch entschieden werden und Entscheide seien nicht verhandelbar.

Dr. Devrim Yetergil Kiefer, Geschäftsleiterin
Spitex Zürich Sihl

Was ist im Moment die grösste Herausforderung für Ihre Spitex-Organisation?
Es hat einige Tage gedauert, bis wir den richtigen Führungsrhythmus und auch das notwendige Material beschafft hatten. Die Schutzmasken waren beispielsweise bei der Stadt Zürich eingelagert. Inzwischen hat sich das gut eingespielt. Uns beschäftigt, dass Hausärztinnen und Hausärzte Mitarbeitende krank schreiben, die zur Risikogruppe gehören. Sie dürften mit geeigneten organisatorischen und technischen Massnahmen und unter Einhaltung der Hygienevorschriften arbeiten. Kundinnen und Kunden sagen Hauswirtschaftsleistungen ab – wohl aus Respekt vor dem Virus. Wir sind gut aufgestellt und bereit: für den grossen Run und auch um Covid-19-Patientinnen und -Patienten zu Hause betreuen zu können. Die Pflege und Betreuung mancher Kundinnen und Kunden braucht etwas mehr Zeit, da sie ausser unseren Mitarbeitenden kaum mehr Aussenkontakt haben.

Mit welchen Massnahmen begegnen Sie den Herausforderungen?
Unsere Materiallager sind gut gefüllt. Dennoch halten wir verschiedene Kanäle offen und sind laufend dran, den Nachschub sicherzustellen. Hier können wir auf langjährige gute Lieferantenbeziehungen bauen. Seit knapp einem Jahr setzen wir in der internen Kommunikation ausschliesslich auf eine digitale Plattform. Heute zeigt sich, wie wichtig und richtig dieser Schritt war: Fast täglich werden wichtige Informationen intern rasch verbreitet und Fragen in kurzer Zeit für alle nachvollziehbar und verbindlich geklärt.

Zivilschutz ist eingebunden

Wird Ihre Spitex-Organisation in dieser Ausnahmesituation durch Dritte unterstützt?
Freiwillige haben sich bei uns gemeldet. Aber ausser bei kleineren Botengängen setzen wir sie noch nicht ein. Dafür gibt es mit dem Zivilschutz einen regen Austausch: Die Spitzen der Spitex Zürich Limmat und der Spitex Zürich Sihl bilden zusammen den Pandemiestab Spitex Zürich. Darin eingebunden ist auch der Zivilschutz. Wöchentlich sprechen wir uns mindestens zweimal ab. Räumlichkeiten sind rekognosziert, Telefone installiert und das Schulungskonzept steht. Alles ist bereit. Doch wir hoffen, dass der Zivilschutz nicht eingesetzt werden muss.

Wie ist Ihre Organisation in das übergeordnete Krisenmanagement eingebunden?
Der Pandemiestab Spitex Zürich stimmt sich eng mit der Koordinationsgruppe Gesundheits- und Umweltdepartement der Stadt Zürich ab. Dort sitzen Expertinnen und Experten unterschiedlicher Disziplinen und verschiedener Institutionen am Tisch.

Welche Erfahrung möchten Sie anderen Spitex-Top-Kadern mitgeben?
Es liegt auf der Hand: Den Führungsstil an die Situation anpassen. Entscheide müssen rasch fallen und sind nicht verhandelbar. Es kann nicht alles mit allen diskutiert werden – dafür fehlt schlicht die Zeit. Dieses Vorgehen braucht aber eine zusätzliche Übersetzungsleistung, damit Entscheide richtig verstanden und auch umgesetzt werden. Ein anderer, ebenso wichtiger Punkt: Unbedingt versuchen, für die dünne Personaldecke Reservepersonal auf Abruf zu rekrutieren. Das können Mitarbeitende sein, die im Backoffice arbeiten und eine medizinische Grundausbildung haben. Oder Ehemalige oder selbstständige Pflegefachpersonen. Trotz erschwerten Bedingungen engagieren sich alle sehr und stellen sicher, dass unsere Kundinnen und Kunden nach wie vor zu Hause mit hoher Qualität betreut und gepflegt werden.