Spitex Zürich hat als erste Spitex-Organisation der Schweiz das Swiss LGBTI-Label erhalten. Damit unterstreicht Spitex Zürich ihre gelebte Kultur der Offenheit, Diversität und Wertschätzung – auch und gerade von LGBTI-Mitarbeitenden. «Das Label ist Auszeichnung und Verpflichtung: Auszeichnung für das Erreichte und Verpflichtung, unser Engagement fortzuführen», sagte Markus Reck, Co-CEO Spitex Zürich.

Herzliche Gratulation zum Label! Warum hat sich Ihre Organisation dafür beworben?
Markus Reck: Besten Dank! Letztes Jahr habe ich an der Verleihung der Swiss LGBTI-Label in der Zürcher Wasserkirche teilgenommen und war beeindruckt und begeistert von der Idee! Gerade wir im Gesundheitswesen stehen in einem intensiven Wettbewerb um die besten Talente. Die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden werden komplexer und anspruchsvoller. Verschiedene Studien und Erfahrungsberichte zeigen, dass Unternehmen und Organisationen erfolgreicher sind, wenn die Mitarbeitenden ihre Vielfalt leben können. Wir können weder auf Vielfalt noch auf Kompetenz verzichten. Im Gegenteil: Wir müssen beides stärken!


«Ich bin überzeugt, dass auch unsere Kundinnen und Kunden das Label schätzen.»

Markus Reck, Co-CEO Spitex Zürich


Erstes, wichtiges Ziel erreicht

Beim Swiss LGBTI-Label stehen sexuelle Orientierung und Identität im Vordergrund. Sind das die wichtigsten Themen, wenn es um Vielfalt geht?
Nein, bei weitem nicht. Es ist ein Thema und es ist wichtig. Unser internes Projekt heisst «Vielfalt schafft Kompetenz». Dabei geht es auch um alle Diversitätsthemen wie kulturelle und ethnische Herkunft, Alter, Geschlecht, geistige und körperliche Fähigkeiten sowie individuelle Lebens- und Arbeitsumstände. Wir haben uns zunächst auf das Label konzentriert, jedoch dabei alle Diversitätsthemen geprüft und wo nötig ergänzt. Jetzt durften wir das Label entgegennehmen und haben damit ein erstes, wichtiges Ziel erreicht, das uns als Organisation gegenüber Mitarbeitenden aber auch Kundinnen und Kunden verpflichtet.

Wie lief der Bewerbungsprozess ab?
Kern des Bewerbungsprozesses ist ein umfassender Fragebogen. Er beleuchtet verschiedene Aspekte der betrieblichen Organisation und des Unternehmensalltags. Wir mussten alle Anforderungen bearbeiten und den Nachweis erbringen, dass wir diese erfüllen oder daran sind, die notwendigen Schritte dafür zu tun. Das effektive Engagement zählt, wie zum Beispiel eine LGBTI-Gruppe im Betrieb, die offene Kommunikation im Unternehmen zu diesen Themen oder die Teilnahme an der Pride. Unabhängige Juroren des Swiss LGBTI-Labels, die aus der Community kommen oder sich für diese engagieren, haben unsere Arbeit beurteilt und sind zum Schluss gekommen, dass wir die geforderten Kriterien erfüllen. Es ist wichtig, dass dies unabhängig überprüft wird, denn wir wollen unsere Kultur der Offenheit, Diversität und Wertschätzung tatsächlich leben und kein Pink-Washing machen. Das liegt mir und unserem Projektteam persönlich sehr am Herzen und wir bekommen betriebsintern sehr viel positives Feedback. Deshalb ist das Label zugleich Auszeichnung und Verpflichtung.

Anspruchsvolle Rezertifizierung

Wo sehen Sie den grössten Handlungsbedarf beim Fortführen Ihres Engagements?
Das Label gilt für drei Jahre. Dann wollen wir es erneuern. An der Label-Übergabefeier wurden auch Unternehmen rezertifiziert. Einige haben erklärt, wie anspruchsvoll die Rezertifizierung gewesen sei. Das ist kein Freibillett! Es braucht laufend Anstrengungen, das Niveau zu halten. Es verlangt aber auch einen zusätzlichen Effort und ein gelebtes, aktives Engagement im Unternehmen.

Wie wurde auf das Label reagiert?
Durchwegs positiv. Wir haben viel Anerkennung bekommen. Rund zwanzig Personen, darunter ein Teil des Berufsbildungsteams, haben an der Zurich Pride teilgenommen. Gemeinsam haben wir dort das Label gefeiert. Letztes Jahr war die Delegation deutlich kleiner. Es gab überdurchschnittlich viele positive Reaktionen und Kommentare auf den Social Media-Plattformen und einige Medien haben über die Vergabe berichtet. Verschiedene Spitex-Organisationen haben sich über die Modalitäten informiert und streben in den nächsten Jahren sicherlich eine Zertifizierung an. Und schliesslich hat unser LGBTI-Koordinator vom Zuwachs beim LGBTI-Stammtisch berichtet.

Grundlegender Wandel der Bedürfnisse

Wie haben die Kundinnen und Kunden reagiert?
Ich bin überzeugt, dass auch unsere Kundinnen und Kunden das Label schätzen. Gerade bei ihnen treffen wir in der Stadt Zürich auf eine grosse Diversität, die wir bei unserer täglichen Arbeit vor Ort in den Einsätzen berücksichtigen und unsere Werte auch bei diesem Thema aktiv und engagiert leben können. Die Bedürfnisse wandeln sich im städtischen Umfeld grundlegend. Dies hat die Stadt Zürich erkannt und in ihrer Altersstrategie eigens die Massnahme «Diversitäts- und kultursensible Pflege und Betreuung fördern» aufgenommen. Das Label ist unser Beitrag zur Umsetzung dieser Massnahme.

Was empfehlen Sie anderen Spitex-Organisationen?
Alle Spitex-Organisationen suchen Mitarbeitende. Nur wer es schafft, mit vielen kleinen Mosaiksteinen eine positive, wertschätzende Kultur zu leben, wird in Zukunft ausreichend Personal finden. Nicht das Swiss LGBTI-Label allein, sondern das gelebte, authentische Engagement und die Werte hinter dem Label sind dafür wichtige Steine im Mosaik.


Swiss LGBTI-Label

Beitrag der Tagesschau vom 26. Juni zum Swiss LGBTI-Label.
Website Swiss LGBTI-Label


Markus Reck

ist seit April 2022 Co-CEO von Spitex Zürich (vormals Spitex Zürich Limmat und Spitex Zürich Sihl). Die rund 1500 Mitarbeitenden versorgen jährlich rund 10’000 Kundinnen und Kunden auf dem ganzen Stadtgebiet. Davor leitete Markus Reck Spitex Zürich Sihl als Geschäftsleiter. Vor diesem Engagement war er Leiter Public Affairs der Senevita Gruppe (Pflegeheime und Spitex) sowie von 2008-2018 Direktor der schweizweit tätigen, privaten Spitex für Stadt und Land AG.

Markus Reck engagiert sich politisch, ist Mitglied der GLP und von Network, dem Verein der Gay-Manager. Er ist Mitglied der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission RGPK der Stadt Wallisellen.


Deklaration: Der Autor arbeitet bei Spitex Zürich.