«Wann müssen die Mitarbeitenden, wann die Kundinnen und Kunden über welche Kanäle mit welchen Informationen versorgt werden? Diese Frage beschäftigte mich sehr und beschäftigt mich noch immer», sagt Patrick Wyss, Geschäftsführer Spitex St.Gallen West. Bei einer Pandemie brauche es zuweilen unkonventionelle Entscheide.

Patrick Wyss, Geschäftsführer, Spitex St.Gallen West

Gibt es für Ihre Spitex-Organisation – trotz aller Widerwärtigkeiten – positive Aspekte der Corona-Pandemie?
Durch die Pandemie wurde uns wieder bewusst, den Fokus auf das wirklich Relevante zu richten und entsprechend zu handeln. Nice-to-have-Aspekte sind aktuell eher im Hintergrund.

Was hat Sie im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in den letzten Wochen besonders geärgert?
Wir hatten viele Herausforderungen. Die Wesentlichste war die Verarbeitung der Informationsflut, die laufenden Änderungen sowie die Umsetzung davon im Spitexalltag. Dank guter Zusammenarbeit mit dem Spitex Verband, dem kantonalen Führungsstab und dem Kantonsarztamt St.Gallen sowie anderen Spitexleitungen gelang uns dies zunehmend besser. Eine wichtige Frage, die mich laufend beschäftigte und nach wie vor beschäftigt: Welche Informationen und Anweisungen benötigen die Mitarbeitenden? Welche die Kundinnen und Kunden? Auf welchen Kanälen und zu welchem Zeitpunkt sollen sie vermittelt werden?

Welche zusätzliche Unterstützung wünschen Sie sich, damit Ihre Spitex-Organisation die Corona-Pandemie weiterhin gut bewältigen kann?
Am Anfang der Pandemie belasteten uns die Lieferengpässe und die damit verbundenen tiefen Materialbestände. Dank gegenseitigem Austausch von Tipps und Tricks mit anderen Spitexleitungen und unkomplizierten Angeboten seitens unseres Materiallieferanten, haben wir inzwischen wieder genügend Material. Weiter können arbeitsrechtliche Fragen teilweise nicht eindeutig beantwortet werden. Das wird uns wohl noch längere Zeit beschäftigen.

Wenig Auswirkung der Lockerungen erwartet

Der Pandemie-Lockdown ist gelockert. Welche Entwicklungen erwarten Sie und wie bereiten Sie Ihre Spitex-Organisation auf weitere Lockerungen vor?
Nach unserem Ermessen werden die ersten Schritte der Lockerung des Lockdowns wenig Auswirkungen haben. Unsere Kundinnen und Kunden gehören mehrheitlich zur Risikogruppe. Das zieht entsprechende Vorsichtsmassnahmen nach sich – noch für viele Monate. Das wichtigste ist nach wie vor die Einhaltung der Hygieneregeln, das Tragen einer Maske sowie das Social Distancing. Lockerungen im Spitex Stützpunkt werden vorgenommen sobald das Bundesamt für Gesundheit BAG entsprechende allgemeine Empfehlungen abgibt.

Was ist Ihre persönliche Lehre aus der Corona-Pandemie?
Aus meiner Sicht führen Flexibilität, Akzeptanz von Unsicherheit und Fehlern sowie unkonventionelle Entscheide zu hoher Handlungsfähigkeit. Diese Fertigkeiten sind während einer solchen Pandemie höher zu gewichten als Perfektionismus oder das starre befolgen von Regeln. Auf die andere Seite sind die Vorgaben des Bundesrates und des BAG zu befolgen und umzusetzen. Das ist eine Gratwanderung und die eigentliche Herausforderung.