Im Wirkungsgebiet der Spitex Region Willisau gibt es in der Nacht eine Versorgungslücke: Pflege- und Palliative-Care-Leistungen wurden bisher nur in einzelnen Ausnahmesituationen gewährleistet. «Ab dem 1. Juni sind wir für unsere Kundinnen und Kunden mit einem Nachtpikett und mit Einsätzen auch zwischen 23 Uhr und 7 Uhr erreichbar», sagt Gabriela Odermatt, Co-Geschäftsleitung und Leitung Kerndienste der Spitex Region Willisau.

Sie dehnen Ihr Leistungsangebot auf die Nacht aus. Warum?
Gabriela Odermatt: Unsere Bedarfsabklärungen haben ergeben, dass eine Anpassung des aktuellen Nachtdienstangebots notwendig ist. Mit dem neuen Service wollen wir im ländlich geprägten Luzerner Hinterland dazu beitragen, dass es zu weniger unnötigen Hospitalisationen kommt. Und dass Menschen früher aus dem Spital entlassen werden können. Der Bericht zur «Besseren Betreuung und Behandlung von Menschen am Lebensende» des Bundesamtes für Gesundheit weist darauf hin, dass die mangelnde Abdeckung von Pflegeleistungen in der Nacht nach wie vor einer der Gründe für die häufigen Hospitalisationen ist.


«Dank unserem Angebot soll es weniger unnötige Hospitalisationen geben.»

Gabriela Odermatt, Co-Geschäftsleitung und Leitung Kerndienste, Spitex Region Willisau


Wie haben Sie die Menschen bislang in der Nacht versorgt?
Bisher konnten wir entsprechende Einsätze nur in Ausnahmesituationen leisten. Sie waren jeweils mit hohem organisatorischem Aufwand verbunden. Entsprechend konnten wir nur punktuell auf Notfälle reagieren. Der Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen wird in den nächsten Jahren stark zunehmen wird. Bereits im Jahr 2019 zählten zwei Drittel der Spitex-Kundschaft zu diesem Alterssegment.

Wie setzen Sie das neue Angebot konkret um?
Der Nachtdienst wird im Rahmen des Aufbauprojekts Palliative Care Spitex Region Willisau entwickelt und von einer externen Beratungsperson und Expertin im Gesundheitswesen und Palliative Care begleitet. Vorerst bieten wir den neuen Service während sechs Monaten an. So können wir den genauen Bedarf, die Auslastung und die Wirksamkeit des Angebots erfassen. Dann werden wir entscheiden, mit welcher Servicevariante wir weitermachen.

Was bedeutet der Leistungsausbau für Ihre Organisation?
Städte und Agglomerationsgemeinden zeigen seit langem, wie bedarfsgerecht und wirkungsvoll eine starke ambulante Versorgung ist. Sie ist erst noch kosteneffizient. Der neue 24-Stunden-Service ermöglicht unseren Kundinnen und Kunden eine bessere Lebensqualität, indem sie zu Hause bleiben können. Es stärkt unsere Organisation, wenn wir auf verändernde Bedürfnisse reagieren können.


Gabriela Odermatt

ist seit 2020 Co-Geschäftsleiterin und Leiterin Kerndienste der Spitex Region Willisau. Zudem verantwortete sie von 2019 bis Ende März 2022 im Spitex Kantonalverband Luzern den Fachbereich Qualität. Die 115 Mitarbeitenden der Spitex Region Willisau versorgen 23’000 Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinden Alberswil, Ettiswil, Fischbach, Grossdietwil, Hergiswil, Luthern, Menznau, Ufhusen, Willisau und Zell mit Spitex-Leistungen.