«Die Situation verlangt viel Aufmerksamkeit von Vorgesetzten», sagt Walter Wyrsch, Geschäftsleiter Spitex Nidwalden. Manche Vorhaben müssen ohne vorangegangene Diskussion entschieden werden. Offene Kommunikation und persönliche Präsenz seien entscheidend.

Walter Wyrsch, Geschäftsführer Spitex Nidwalden

Was ist im Moment die grösste Herausforderung für Ihre Spitex-Organisationen?
Für mich ist es herausfordernd, den richtigen Moment zu erwischen. Zum Beispiel den richtigen Zeitpunkt für die Einsetzung eines Krisenstabs, für die Information an Mitarbeitende und Kunden, für die Inkraftsetzung von Notfallplänen, für den Verzicht auf bestimmte Leistungen und so weiter. Täglich gilt es solche Entscheide zu fällen, die hinterher für viele immer zu früh oder zu spät sein werden. Im Kader beschäftigt uns die Notfallplanung: Grosser Kundenzuwachs mit vielen palliativen Patientinnen und Patienten bei gleichzeitigem Wegbrechen einer grösseren Anzahl Mitarbeitenden.

Mit welchen Massnahmen begegnen Sie den Herausforderungen?
Zuerst mit offener Kommunikation und persönlicher Präsenz. Die Mitarbeitenden und ganz besonders das Kader muss spüren und erleben, dass wir einen Plan haben respektive, dass wir die eine oder andere Variante durchgedacht haben. Die Situation verlangt viel Aufmerksamkeit von Vorgesetzten, gerade in Situation in denen der Ton bestimmter wird und manche Vorhaben ohne vorangegangene Diskussion entschieden werden. Zum Glück haben wir intern einen brauchbaren Pandemieplan und einen entsprechenden Vorrat an den nun gefragten Gütern gehabt und sind dadurch bis jetzt sehr ruhig unterwegs.

Wird Ihre Spitex-Organisation in dieser Ausnahmesituation durch Dritte unterstützt?
Nein, das ist nicht vorgesehen. Ich meine auch, dass es schwierig ist Freiwillige in einer Notsituation in neue Aufgaben einzuführen. Falls diese Zusammenarbeit dennoch nötig würde, wären mir eine klare Kommunikation und klare Aufgabenzuteilung wichtig.

Im Kanton «aufgehoben»

Wie ist Ihre Organisation in das übergeordnete Krisenmanagement eingebunden?
Wir sind im Kanton «aufgehoben». Ich verfasse seit Ende Februar wöchentlich einen Statusbericht an den Krisenstab des Kantons. Weiter werden unsere Fragen, beispielsweise vor der Übernahme der ersten betroffenen Patientin, rasch aufgenommen und kompetent beantwortet. Ebenfalls haben sie uns bei der Materialbeschaffung auf dem Radar. Für den Krisenstab wären wir allenfalls ein guter Fühler in die Bevölkerung hinaus gewesen.

Welche Erfahrung möchten Sie anderen Spitex-Top-Kadern mitgeben?
Dafür ist es aktuell zu früh – das würde ich mir erlauben, wenn wir unsere Abläufe und unser Verhalten reflektiert und ausgewertet haben.