Titelbild Film Heks
Martin Radtke Angebot

Spitex-Angebote den Migrantinnen und Migranten bekannt machen

Der Spitex Verband Aargau SVAG spricht mit einem neuen Kurzfilm gezielt Migrantinnen und Migranten an und vermittelt die Spitex-Leistungen. «Eine Diplomarbeit hat uns gezeigt, dass viele Migrantinnen und Migranten solche Angebote wie jene der Spitex nicht aus ihren Heimatländern kennen», sagt Liliane Keller Würmli, Leitung Kommunikation beim SVAG. «Der SVAG verstand es als seinen Auftrag, hier Aufklärungsarbeit zu leisten.» Der Film ist zusammen mit dem HEKS entstanden.

Warum spricht der Spitex Verband Aargau gezielt Migrantinnen und Migranten an? 
Das Thema war bei der Fachstelle Entwicklung des Spitex Verband Aargau SVAG schon seit langem präsent. Die demographische Entwicklung unserer Gesellschaft legte dies nahe, auch in der Literatur wurde die Thematik vereinzelt aufgegriffen. Durch bestehende Kontakte mit dem HEKS entstand der konkrete Diskurs zum Thema.


«Der Claim „überall für alle“ soll eingelöst werden – auch bei Migrantinnen und Migranten.»

Liliane Keller Würmli, Leitung Kommunikation beim Spitex Verband Aargau


Spitex-Angebot wenig bekannt

Wie ist es zur Zusammenarbeit mit dem HEKS gekommen?
Das HEKS war naheliegender Partner für die Verarbeitung von Migrationsthemen. Durch das Netzwerk der Fachstelle Entwicklung entstand das Projekt, welches im Rahmen einer Diplomarbeit erörterte, wie gross die Klientel mit Migrationshintergrund sei. Das Resultat bestätigte unsere Vermutungen: Der Anteil von Migrantinnen und Migranten, die von der Spitex betreut werden, ist deutlich tiefer als der Anteil dieser Anspruchsgruppe in der Bevölkerung. Unsere Hypothese, dass viele Migrantinnen und Migranten ein Angebot in dieser Form aus ihren Heimatländern nicht kennen und diese deshalb auch nicht in Anspruch nehmen, bestätigte sich im Rahmen der Diplomarbeit. Eine weitere Hypothese war, dass die Pflege zu Hause innerfamiliär, traditionsbedingt oft durch die Töchter und Schwiegertöchter geleistet wird. Dies kann zu schweren Überlastungszuständen führen.
Für uns war zentral, dass der Claim der Spitex «überall für alle» eingelöst wird und die Dienstleistungen auch tatsächlich allen zugänglich sind. Der SVAG verstand es als seinen Auftrag, hier Aufklärungsarbeit zu leisten.

Es ist ein Kurzfilm entstanden. Welche Kommunikationsmassnahmen sind sonst noch vorgesehen?
Schon von der Erstellung des Kurzfilms wurde viel erarbeitet. Ein Leitfaden für die Spitex-Organisationen wurde entwickelt, der thematisiert, wie eine Spitex-Organisation aufgestellt sein sollte, um diese Dienstleistung für Migrantinnen und Migranten durchführen zu können. Dies kann zum Beispiel die Aufklärung der Mitarbeitenden über unterschiedliche Kulturen beinhalten oder den Einbezug von Mitarbeitenden mit Wurzeln in anderen Kulturen und Sprachen als Vermittelnde. Aber auch Übersetzungsapps und Flyer und Informationsblätter in unterschiedlichen Sprachen bilden eine wichtige Basis.

Spitex ist eine Selbstverständlichkeit

Warum haben sich HEKS und SVAG fürs Medium Film entschieden?
Der Kurzfilm soll mithilfe von Bildern einerseits Informationen liefern, aber besonders auch emotional greifbar machen, dass eine Unterstützung durch die Spitex eine Selbstverständlichkeit in unserer Gesellschaft darstellt und nicht schambehaftet sein soll.

Wo wird der Film eingesetzt?
Der Spitex Verband Aargau hat den Film auf seinen Kanälen veröffentlicht, z.B. auf dem eigenen YouTube-Kanal und in seinen Social Media und ihn seinen Mitglieds-Organisationen für die Nutzung und Verbreitung zur Verfügung gestellt. Das Heks wird den Film über bestehende Kanäle verbreiten und auch vor Ort mit den Interessierten diskutieren.

Was lief bei der Zusammenarbeit mit dem HEKS gut? Wie wurden die Herausforderungen überwunden?
Die Zusammenarbeit mit dem HEKS konnte auf der Basis des starken Netzwerks, das der SVAG im Kanton Aargau pflegt, durchgeführt werden und war entsprechend sehr zielführend und angenehm. Mit dem HEKS konnte die Spitex auf die Expertin für Migrationsfragen zurückgreifen. Herausforderung war vielmehr, passende Personen zu finden, die sich für den Film zur Verfügung stellten und die die gewünschten Botschaften authentisch transportieren konnten. Wir sind sehr froh, konnten am Ende so engagierte und interessierte Klientinnen und Klienten und Spitex-Mitarbeitende gefunden werden.

Austausch mit vielen Zielgruppen

Welche anderen Zielgruppen spricht der SVAG in seiner Kommunikation sonst noch an?
Der SVAG ist standardmässig mit dem Kanton, mit Politikern, Gemeinden und Partnern aus dem Gesundheitswesen im Austausch. Auch mit Ärzten und Medizinischen Praxisassistentinnen arbeiten wir zusammen.
Im Rahmen der aktuellen Imagekampagne wurden im letzten Herbst auch gezielt junge Lernenden bzw. junge Erwachsene im Berufswahlprozess angesprochen. In diesem Frühling informierte die Imagekampagne die Zielgruppe «breite Bevölkerung» über die Dienstleistungen der NPO-Spitex, besonders im Bereich komplexe Spital externe Pflege zu Hause.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Was nehmen Sie von den letzten fünf Jahren mit?
Ich werde Ende Monat den Spitex Verband Aargau verlassen, um mich bei der Krebsliga Aargau in der Kommunikation zu engagieren. Von der NPO-Spitex nehme ich viel Begeisterung für das Produkt Spitex mit und grossen Respekt für die Arbeit der Pflegefachpersonen, die täglich so vielen unterschiedliche Wohn- und Familiensituationen begegnen und mit grösster Professionalität und Verbindlichkeit einen unersetzlichen Einsatz für unsere Gesellschaft leisten. Ich nehme mit, dass ich auf ein funktionierendes Versorgungssystem werde zurückgreifen können, sollte ich gesundheitlich einmal eingeschränkt sein, sei dies durch Unfall, Krankheit oder Alter. Der Spitex-Community wünsche ich, dass sie sich ihrer stetig wachsenden Wichtigkeit bewusst bleibt und sich weiterhin mit viel Freude für ihre Branche engagiert. 


Liliane Keller Würmli

ist seit 2017 Leiterin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit beim Spitex Verband Aargau SVAG. Der Kantonalverband vertritt die 36 Spitex-Organisationen im Kanton, die rund 1900 Mitarbeitende beschäftigen, die jährlich 15’000 Klientinnen und Klienten betreuen.
Davor war Liliane Keller Würmli beim Beratungsunternehmen BDO AG tätig. Sie hat sich an der HWZ Zürich und an der Journalistenschule MAZ in Luzern in der Kommunikation weitergebildet.


Dank der Spitex lange zuhause leben – Kurzfilm