«Die Einsätze bei vulnerablen Kundinnen und Kunden sind besonders anspruchsvoll», sagt Daniel Schwarzenbach, Geschäftsführer der Spitex Aarau. Viel Zeit braucht auch die Verarbeitung ständig neuer Informationen. Neu werden in der psychiatrischen Betreuung Kundinnen und Kunden auch übers Telefon oder via Skype versorgt.

Daniel Schwarzenbach, Geschäftsführer Spitex Aarau

Was ist im Moment die grösste Herausforderung für Ihre Spitex-Organisation?
Im Moment sind wir alle stark gefordert. Unsere Mitarbeitenden übernehmen zusätzliche Dienste und halten dabei alle Vorschriften ein. Sie beruhigen Kundinnen und Kunden und führen die Pflege weiterhin mit hoher Qualität und einem Lächeln durch. Nach einem Tag körperlicher Arbeit mit Gesichtsmaske organisieren sie die Betreuung der eigenen Kinder und stehen ihren Eltern, Schwiegereltern und Nachbarn zur Seite. Und ja, sie machen sich zwischendurch auch mal Sorgen, ob alles gut kommt. Sie leisten gerade ihren Beitrag zum Schutze von uns allen. Ich habe grössten Respekt für ihre Leistung und bin sehr dankbar.  

Mit welchen Massnahmen begegnen Sie den Herausforderungen?
Einige Abläufe müssen der Situation angepasst werden, beispielsweise bei der Einsatzplanung. Wir bereiten uns auf Personalengpässe und damit verbunden auf eine Triage der Einsätze vor. Das ist neu für eine Spitex-Organisation. Deutlich anspruchsvoller sind auch Einsätze bei vulnerablen Kundinnen und Kunden oder bei Einsätzen mit Krankheitssymptomen. Bei der psychiatrischen Betreuung stehen wir neu unseren Kundinnen und Kunden auch telefonisch oder per Skype zur Verfügung.

Enge Zusammenarbeit bei Zusatzleistungen

Wird Ihre Spitex-Organisation in dieser Ausnahmesituation durch Dritte unterstützt?
Gemäss unserer Notfallplanung konzentrieren wir uns auf pflegerische Aspekte. Die Nachfrage nach Zusatzdienstleistungen wie Einkaufshilfe, Mahlzeiten liefern und teilweise Hilfe im Haushalt sind stark gestiegen. Hier arbeiten wir eng mit anderen Organisationen wie dem Schweizerischen Roten Kreuz und Pro Senectute zusammen.

Wie ist Ihre Organisation in das übergeordnete Krisenmanagement eingebunden?
Das übergeordnete Krisenmanagement nimmt das Gesundheitsdepartement des Kantons wahr. Dort vertritt der kantonale Spitex-Verband unsere Interessen. Eine Herausforderung ist das Informationsmanagement. Wir erhalten viele zusätzliche Informationen vom Bundesamt für Gesundheit, der Berufsbildungsorganisation OdA und anderen. Das Sichten und Aufbereiten für unsere Mitarbeitenden und Lernenden ist anspruchsvoll. Seit einiger Zeit gibt es morgens jeweils ein kurzes Briefing für alle, die auf Tour gehen.

Welche Erfahrung möchten Sie anderen Spitex-Top-Kadern mitgeben?
Die Spitex-Kader mit denen ich in Kontakt bin, gehen die Situationen mit grosser Ernsthaftigkeit, aber auch mit einer gewissen Leichtigkeit und viel positivem Denken an. Die aktuelle Situation ist ein Marathon. Es ist essentiell, dass wir unsere Kräfte schonen und uns bewusst Auszeiten nehmen.