Energie Wasser Bern EWB hat eine neue Technik für die passive Überwachung von Menschen im Alter entwickelt: Dank künstlicher Intelligenz kann Siima Routinen vom täglichen Stromverbrauch in einem Haushalt zuverlässig feststellen und auf Abweichungen hinweisen. Siima steht für Sicherheit im Alltag. Siima merkt beispielsweise, wenn der übliche Stromverbrauch fürs Kochen oder fürs Fernsehschauen ausbleibt. Dies könnten Hinweise sein, dass einer Person etwas zugestossen ist. Ein Kontrollanruf klärt in diesem Fall die Hintergründe. Siima wird nun unter dem Patronat von SmartLife Care zusammen mit der Spitex ReBeNo in der Praxis getestet.

Warum engagiert sich SmartLife Care bei passiven Überwachungssystemen?
Rolf Bona: Wir begrüssen ein möglichst selbstständiges Leben im Alter. Darum unterstützen und begleiten wir als führender Anbieter von Notruflösungen innovative, zukunftsweisende Projekte, welche die Unabhängigkeit sicherstellen. Siima kann hier eine sinnvolle Ergänzung zum klassischen Notrufsystem sein. Diese sind darauf ausgelegt, dass ein Alarmknopf gedrückt wird. Mit dem langen Praxistest wollen wir alle Facetten dieser neuen Anwendungen kennenlernen und Siima in der Weiterentwicklung unterstützen.


Siima ist ein Schutzengelsystem: Man sieht nichts und fühlt sich nicht überwacht. Doch es schützt zuverlässig.

Rolf Bona, CEO SmartLife Care


Siima ist als passives Überwachungssystem…
Rolf Bona: Ich mag den Begriff «passives Überwachungssystem» nicht besonders. Ich spreche lieber davon, dass Siima ein Schutzengelsystem ist. Wie bei einem richtigen Schutzengel sehen die Kundin und der Kunde nichts und fühlen sich nicht überwacht. Das System kommt ohne direkte Überwachungstechnik wie Kamera, Bewegungsmelder oder ähnlichem aus. Es braucht auch keine aufwändigen Installationen. Dennoch werden alle Räume zuverlässig ins System einbezogen. Das Prinzip von Siima ist einfach. Das mag ich und entspricht auch unserer Unternehmensphilosophie, wenn es um Geräte für Kundinnen und Kunden geht.


Marc Klopfenstein

Technische Entwicklungen mit künstlicher Intelligenz schreiten voran. Die Spitex muss innovativ bleiben.

Marc Klopfenstein, CEO Spitex ReBeNo


Warum engagiert sich die Spitex ReBeNo beim Projekt?
Marc Klopfenstein: Die Idee von Siima ist vielversprechend und das Pilotprojekt liefert wertvolle Erkenntnisse. Später werden wir entscheiden, ob und wie wir das Produkt in unser Angebot aufnehmen. Mit dem Pilotprojekt lernen wir, wie unsere Kundinnen und Kunden auf passive Überwachung reagieren. Wir erfahren, welche Fragen in der Kontaktphase relevant sind und welche Argumente und welches technische Grundwissen wir unseren Pflegefachpersonen vermitteln müssen, falls wir Siima künftig anbieten wollen. Auch zeigt sich, wie die Abläufe in der Praxis sind und was diese für uns als Spitex im Alltag bedeuten. Insbesondere auch bei einer Alarmierung.

Aber Kernaufgabe einer Spitex ist Betreuung und Pflege…
Marc Klopfenstein: Ja, natürlich, und das bleibt auch so. Doch wir müssen die Aufgabe und die Rolle der Spitex weiterdenken und innovativ bleiben. Technische Entwicklungen mit künstlicher Intelligenz werden voranschreiten. Spitex ReBeNo will dabei eine aktive Rolle einnehmen und Produkte auf Praxisrelevanz und Kundenfreundlichkeit prüfen und auch mitbeurteilen. Somit verstehen wir uns bei Siima als eine Art Türöffner. Wir können uns bei potenziellen Kundinnen und Kunden oder bei Kundinnen und Kunden, die erst wenig Unterstützung brauchen, als kompetente Dienstleisterin positionieren. Sie denken hoffentlich später an uns, wenn sie mehr Leistungen brauchen.

Die Spitex ReBeNo hat Kundinnen und Kunden angefragt, ob sie beim Pilotprojekt mitmachen würden. Wie waren die Reaktionen?
Marc Klopfenstein: Das Interesse war sehr gross. Es hat nicht lange gedauert, bis wir die zehn Kundinnen und Kunden fürs Pilotprojekt zusammen hatten. Zwar hatte ich vermutet, dass wir mit einem positiven Echo rechnen können. Doch das Ergebnis hat mich dann doch etwas überrascht. Es zeigt, dass es eine grosse Offenheit gibt für innovative Lösungen mit einem echten Mehrwert. Für Angehörige bietet Siima eine neue Sicherheit. Das überzeugt.

Wann und wie alarmiert Siima?
Rolf Bona: Alle Menschen verhalten sich im Alltag unterschiedlich. Darum geht es beim ersten Schritt darum, den täglichen, individuellen elektronischen Fussabdruck aufzuzeichnen. Danach wertet künstliche Intelligenz die Aufzeichnung aus und vergleicht sie laufend mit den bekannten, täglichen Verhaltensmustern. Gibt es signifikante Abweichungen, wird Alarm ausgelöst. Die alarmierte Person oder die Notrufzentrale ruft dann bei der Kundin oder beim Kunden an und erkundigt sich nach dem Wohlergehen. Wird der Anruf nicht beantwortet, wird dies als Notfall interpretiert. Jetzt muss schnellstmöglich Hilfe zur Kundin oder zum Kunden gehen, um die Situation zu klären. Wir haben ein grosses Know-how im Senioren- und Personennotruf und können darum Mithelfen, das System zu optimieren.

Wie geht es weiter?
Rolf Bona: Das Pilotprojekt läuft noch bis Januar 2022. Kleinere Verbesserungen nehmen wir laufend vor. Danach werten wir das Projekt zusammen mit Siima und Energie Wasser Bern und der Spitex ReBeNo aus. Auf Basis dieser Auswertung wird dann eine Aufnahme in unser Angebot geprüft.


Sicherheit im Alter – Siima

Siima ist eine Entwicklung von Energie Wasser Bern EWB. Das altersgerechte Assistenzsystem richtet sich schweizweit an älteren Menschen, die unabhängig Leben wollen. Eine Fachperson installiert einen Stromzähler und ein Gateway im Keller oder der Wohnung. Jetzt wird der typische, individuelle tägliche Fussabdruck vom Stromverbrauch aufgezeichnet. Eine Abweichung wird erkannt und die Information wird an die Zentrale oder die bezeichnete Person weitergeleitet. Hier erfolgt die Verifizierung und – bleibt eine Antwort aus – der Besuch vor Ort. Individuelle Änderungen oder Anpassungen, beispielsweise eine Ferienabwesenheit, können jederzeit eingestellt werden.


Rolf Bona

ist seit 2020 CEO von SmartLife Care, dem grössten Anbieter von Notruflösungen in der Schweiz und offizieller Partner der Spitex Schweiz, einem gemeinsamen Unternehmen von Swisscom und Helvetia. Davor war er über zehn Jahre lang Leiter der grössten Schweizer Notrufzentrale Medicall und gilt als ausgewiesener internationaler Fachmann im Bereich Notruflösungen für Senioren.


Marc Klopfenstein

leitet seit 2011 die Spitex Region Bern Nord (ReBeNo) als CEO, die einen Leistungsauftrag für die Gemeinden Bremgarten b. Bern, Meikirch, Kirchlindach, Wohlen b. Bern und Zollikofen hat. Die rund 120 Mitarbeitenden versorgen rund 500 Kundinnen und Kunden. Marc Klopfenstein war vor seinem Engagement bei ReBeNo in der Privatwirtschaft als Abteilungsleiter eines Handelsunternehmens für Industrie und Gewerbe verantwortlich. Ursprünglich hat er sich berufsbegleitend als Betriebsökonom FH ausbilden lassen.