Die Einsatzplanung sei eine der grössten Herausforderungen der Spitex-Arbeit, sagte Beatrice Brenner kürzlich im Interview mit dem Spitex-Report. Die Betriebsleiterin der Spitex Region Müllheim meint damit, dass die Mitarbeitenden konsequent dort eingesetzt werden sollen, wo ihre Kompetenzen am besten zum Tragen kommen. Was aber machen, wenn ich zu viel oder zu wenig Personal habe?

Das Spitex-Geschäft ist stark schwankend

Wie viele Kunden habe ich im September? Dies lässt sich heute nicht sagen. Gerade Spitex-Organisationen mit Leistungsauftrag müssen jeden neuen Fall anschauen und – wenn immer möglich auch – übernehmen. Dafür werden sie beispielsweise im Kanton Zürich mit einem höheren Stundenansatz entschädigt. Was das konkret heissen kann, zeigen die Zahlen einer mir bekannten mittelgrossen Spitex. Allein im Monat Juli erhielten sie über 30 neue Anmeldungen. Nicht jeder neue Kunde braucht gleich viel Aufwand. Aber auch kleinere Einsätze wie beispielsweise Stützstrümpfe an- oder abziehen müssen von einer kompetenten Fachperson geleistet werden. Und wo im eh schon vollen Tag hat es noch Platz für einen weiteren Kunden?

Zum Alltag der Spitex gehört auch das Loslassen. Kunden, die über lange Zeit liebevoll und professionell betreut wurden, sterben oder müssen ihre Wohnung gegen ein Zimmer im Pflegezentrum tauschen. Solche Kunden benötigten oftmals mehrere Einsätze pro Tag. Dies bedeutete für die Spitex-Organisation auch einen entsprechend hohen Aufwand. Wenn diese Einsätze – sprich Stunden – plötzlich wegfallen, lassen sich diese nicht einfach kompensieren. Wenn ein Grossverteiler mehr von einem Artikel verkaufen will, dann schaltet er mehr Werbung oder arbeitet mit Rabatten. So einfach ist es bei der Spitex aber leider nicht. Ich übernahm damals die Leitung einer Spitex, welche im Vorjahr gerade wegen dieser unplanbaren Abgänge einen Verlust von über CHF 200’000 eingefahren hatte.

Von der Idee zur Umsetzung

In der Spitex-Erfahrungsaustauschgruppe unserer Region haben wir immer wieder über den Austausch von Personal gesprochen. Gewünscht wurde ein einfaches Tool. Geblieben ist dann der Versand eines Mails an die Kolleginnen und Kollegen oder der Griff zum Telefonhörer. Als ich wieder einmal eine Stelle ausgeschrieben hatte, rief mich die Betriebsleiterin der benachbarten Spitex-Organisation an und sagte mir, dass sie mir mit einer ausgebildeten Fachkraft aushelfen könnte. Sie hätten seit längerem zu wenig Arbeit und so könnte sie aktiv werden gegen die sich anhäufenden Minusstunden. Schliesslich unterstützte uns die Fachperson für eine befristete Zeit zur vollsten Zufriedenheit der Kundinnen und der beiden Spitex-Organisationen

Eine wirkliche Win-Win-Win-Situation!

Seither beschäftige ich mich mit dem Gedanken: Wie kann dieser Austausch von Ressourcen unter befreundeten Organisationen zu Spitzenzeiten einfacher möglich sein? Bereits bei der Konzeption von der spitex-drehscheibe.ch haben wir auch über eine solche Dienstleistung nachgedacht. So umfasst die spitex-drehscheibe.ch neben dem Basisprodukt Spitex-Report, dem laufend wachsenden Spitex-Marktplatz, dem Spitex-Kalender neu auch Spitex-Personal. Jede Spitex-Organisation kann ihre überzähligen Ressourcen auf der Plattform ausschreiben. Wer Personal sucht, findet auf der spitex-drehscheibe.ch unter «Personalkapazitäten» die entsprechenden Angebote. Anbieter und Nachfrager schliessen sich für die Details kurz und am nächsten Morgen schon kann die Unterstützung starten. Für die beiden Gründer der spitex-drehscheibe.ch ist klar, dass dieses Angebot eine Art «Hilfe zur Selbsthilfe» unter den Spitex-Organisationen darstellt. Spitex-Personal ersetzt weder Temporärbüros noch klassische Jobportale, vielmehr ergänzt dieser Service die anderen Angebote. Der Service Spitex-Personal unterstützt das gelegentliche Überlassen von Arbeitskräften von befreundeten und einander bekannten Betrieben. Denn die Mitarbeitenden bleiben in der angestammten Organisation angestellt, beziehen dort ihren Lohn und bezahlen ihre Sozialabgaben. Die für die andere Spitex geleisteten Stunden werden mit den vorher ausgehandelten Ansätzen und Zuschlägen verrechnet. Zu beachten sind unbedingt die rechtlichen Aspekte (siehe Links unten).

Anlässlich des Careum Forums 2020 hätte Spitex-Personal dem weiteren Publikum vorgestellt werden sollen. Nun findet die Veranstaltung digital statt. Die Organisatoren haben einen sogenannten Poster-Band mit allen eingereichten Innovationen erstellt. Unser Projekt «Ressourcenpool» ist im Themenfeld D «Projekte zu Vernetzung und Organisation» auf Seite 52 zu finden.
Hier geht es zum Poster-Band


Personalverleih – was ist das?
Personalverleih – was ist zulässig?


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