Die Delegierten des Vereins Spitex Zürich Limmat und die Mitglieder des Vereins Spitex Zürich Sihl haben eine wichtige Weichenstellung vorgenommen: Das operative Geschäft wird in der gemeinsamen Betriebsgesellschaft Spitex Zürich AG zusammengeführt. Anfangs Juli sollen die beiden Vereine zudem im neu zu gründenden Verein Spitex Zürich aufgehen. «Der formale, juristische Prozess ist damit abgeschlossen», sagt Ursula Enz, Co-Präsidentin des Verwaltungsrats. «Und anschliessend beginnt mit einem umfassenden Changeprozess das Entwickeln einer gemeinsamen Unternehmenskultur», ergänzt Jürg Neff, Co-Präsident des Verwaltungsrats.

Warum gehen die beiden Spitex-Organisationen zusammen?
Jürg Neff: Letztes Jahr hat der Stadtrat die Altersstrategie 2035 vorgestellt. Darin bekennt sich die Stadt Zürich zur ambulanten Gesundheitsversorgung und will solche Dienstleistungen stärken. Wir begrüssen diese Entwicklung und können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Denn die ambulante Versorgung kann bei den Menschen zuhause durch eine qualitativ hochwertige und effiziente Pflege und Betreuung mit bestens ausgebildeten Mitarbeitenden sichergestellt werden.
Ursula Enz: In den Entscheidungsgremien beider Organisationen verfolgen wir die Entwicklungen des Umfeldes laufend. Wir sind zudem regelmässig mit der Stadt im Gespräch. Wir sind nun zur Überzeugung gekommen, dass es hilft und Sinn macht, wenn eine einzige Organisation das gesamte Stadtgebiet mit hochwertigen und effizient erbrachten Dienstleistungen versorgt. So können alle Ressourcen – Pflege, Betreuung, Management, Human Resources, Marketing, Employer Branding, etc. – am besten gebündelt und eingesetzt werden. Das zuständige Departement bei der Stadt Zürich unterstützt das Zusammengehen explizit.


«Mit dem Zusammenschluss können wir alle Ressourcen besser bündeln.»

Ursula Enz, Co-Verwaltungsratspräsidentin Spitex Zürich AG


Verwurzelt in den Quartieren

Wie ist die Spitex in der Stadt Zürich in Zukunft organisiert?
Ursula Enz: Es wird den Verein Spitex Zürich geben. Dieser Verein hält 100 Prozent der Aktien an der nicht gewinnorientierten Aktiengesellschaft Spitex Zürich AG. Im Markt treten wir wie bis anhin als «Spitex Zürich» auf. Spitex Zürich übernimmt die Arbeitsverträge aller rund 1500 Mitarbeitenden.
Jürg Neff: Beide Organisationen haben unterschiedliche Funktionen: Der Verein Spitex Zürich wird rund 5500 Mitglieder zählen. Damit sind wir stark verwurzelt in den Quartieren, also dort, wo unsere Kundinnen und Kunden leben. Das operative Geschäft wird durch die Betriebsgesellschaft, die Spitex Zürich AG, erbracht. Sie ist auch die Partnerin für die Leistungsvereinbarung mit der Stadt. Mit dieser Organisationsform können wir gleichzeitig breit abgestützt sein und effizient arbeiten.


«Mit dem Zusammengehen vereinfachen wir auch den Zugang zur Spitex Zürich.»

Jürg Neff, Co-Verwaltungsratspräsident Spitex Zürich AG


Begegnung auf Augenhöhe

Spitex Zürich Limmat und Spitex Zürich Sihl sind nicht gleich gross. Was heisst das beim Zusammengehen?
Jürg Neff: Wir begegnen uns auf Augenhöhe, alle Arbeiten fürs Zusammengehen haben wir in paritätisch ausgewogenen Arbeitsgruppen erledigt.
Ursula Enz: Die Parität zeigt sich auch beim Besetzen der Gremien: Sowohl im Verwaltungsrat wie auch im Vorstand des zu gründenden Vereins sitzen gleich viele Personen, der bisherigen Organisationen. Doch inzwischen denken wir alle vor allem als «Spitex Zürich».

Was bringt der Zusammenschluss den Kundinnen und Kunden?
Ursula Enz: Alle Kundinnen und Kunden werden weiterhin so versorgt, gepflegt und betreut, wie sie das gewohnt sind. Auch unsere Arbeit wird anspruchsvoller, das Personal bleibt knapp. Mit dem Zusammenschluss stellen wir auch sicher, dass wir die gewohnt hohe Qualität weiter erbringen können und als Arbeitgeberin attraktiv bleiben.

Umfassender Changeprozess geplant

Was bedeutet das Zusammengehen für die Mitarbeitenden?
Jürg Neff: Zunächst muss ich festhalten: Es gehen zwei gut geführte Organisationen mit tollen Jahresergebnissen zusammen. Diese sind der Verdienst der Mitarbeitenden, die in den zwei zurückliegenden Pandemie-Jahren Ausserordentliches geleistet haben. Zur Frage: Im Moment bleibt vieles unverändert: Alle Teams arbeiten weiter, Christina Brunnschweiler und Markus Reck führen die Organisation operativ, die unterschiedlichen Organisationsmodelle bleiben, wie sie sind. Was sich ändert, ist die Anzahl der Arbeitskolleginnen und -kollegen. Nach den Sommerferien wird mit einem umfassenden Changeprozess gestartet und es wird gemeinsam eine neue Unternehmenskultur entwickelt. Die Mitarbeitenden können an dieser Entwicklung partizipieren. Dafür werden wir uns Zeit nehmen, denn damit bilden wir die Grundlage für die künftige Entwicklung der Spitex Zürich.

Wie hat das Umfeld auf die Information des Zusammengehens reagiert?
Ursula Enz: Wohlwollend und positiv. Viele verstehen den Entscheid und unterstützen ihn.
Jürg Neff: Ja, das kann ich bestätigen. Mit dem Zusammengehen vereinfachen wir auch den Zugang zur Spitex Zürich. Das begrüssen vor allem auch Zuweisende.


Ursula Enz

ist Co-Präsidentin des Verwaltungsrats der Spitex Zürich AG und designiertes Vorstandsmitglied vom Verein Spitex Zürich, der im Juli gegründet wird. Sie ist seit 2010 (Co-)Präsidentin des Vereins Spitex Zürich Sihl, von 2003 bis 2009 war sie Präsidentin des Vereins Spitex Zürich 2. Ursula Enz führt eine Apotheke in Zürich Wollishofen.


Jürg Neff

ist Co-Präsident des Verwaltungsrats der Spitex Zürich AG und designiertes Vorstandsmitglied vom Verein Spitex Zürich, der im Juli gegründet wird. Er ist seit 2013 Mitglied des Vorstands bzw. Verwaltungsrats, ab 2018 Präsident des Vereins Spitex Zürich Limmat und der Spitex Zürich Limmat AG. Jürg Neff ist Inhaber einer Beratungsfirma mit Mandaten in den Bereichen Controlling, Organisation und Prozessen, Führung, Qualität.


Deklaration: Der Autor Martin Radtke arbeitet bei Spitex Zürich.