Covid-19 verlangt viel von der Gesellschaft. Wer am Virus erkrankt ist und einen schweren Krankheitsverlauf erlebt hat, braucht lange Zeit, bis sie oder er wieder gesund ist. «Wir bieten eine befundorientierte Rehabilitation für austretende Patientinnen und Patienten an», sagt Simon Lutz, Geschäftsleiter von reha@home. Je nach Bedarf kommen unterschiedliche Fachpersonen zum Einsatz.

Covid-19 ist heimtückisch. Wie beurteilen Sie das Virus und die Folgen für Menschen zu Hause?
Simon Lutz: Covid-19 ist eine körperliche Erkrankung, welche auch psychische Beschwerden auslösen kann. Wir müssen physische Distanz halten, uns isolieren, unser Verhalten ändern und damit unsere Gewohnheiten und Routinen aufgeben. Dies kann psychischen und physischen Beschwerden wie zum Beispiel einem reduzierten Allgemeinzustand, Angst, Stress, Erschöpfung, Einsamkeit oder Lustlosigkeit führen. Deshalb benötigen auch Post-Covid-Patientinnen und Patienten eine Unterstützung zu Hause. Hierfür hat reha@home eine befundorientierte Rehabilitation für austretende Patientinnen und Patienten aus dem Stationären.

Wie betreuen Sie ihre Kundinnen und Kunden, die aus dem Spital nach einer starken Covid-Erkrankung entlassen wurden?
Wir betreuen Kundinnen und Kunden, die keine akuten respiratorischen Symptome aufweisen. Für eine solche Nachbetreuung braucht es zu Hause keine besonderen Geräte. Wir sind ein interdisziplinäres Team, das unsere Kundinnen und Kunden mit einem einfachen Training in ihrem Zuhause motiviert und unterstützt. Unsere Kundinnen und Kunden wollen physisch und psychisch wieder fit werden – wir helfen dabei.


Simon Leu

Wir unterstützen und motivieren unsere Kundinnen und Kunden, dass sie wieder physisch und psychisch fit werden.

Simon Lutz, Geschäftsleiter reha at home AG


Physiotherapie fördert Mobilität

Welche speziellen Therapien wenden Sie an?
Es ist eine alltagsorientierte Unterstützung und Begleitung. Zu Beginn der Betreuung steht immer eine «Edukation». Wir klären unsere Kundinnen und Kunden über mögliche Symptome auf. Dann kommen unsere Teams zum Einsatz. Die Mitarbeitenden vom Physiotherapie-Team fördern beispielsweise die Mobilität durch einfaches und motivierendes Training. Sie machen Atemgymnastik oder Gleichgewichtsübungen als Sturzprophylaxe oder Lymphdrainage gegen Schwellung der Extremitäten, ausgelöst durch die Inaktivität. Beim Alltags- und arbeitsorientierten Training unterstützen die Mitarbeitenden vom Ergotherapie-Team. Wir leisten aber auch Gesellschaft und wirken so der Isolation entgegen. Wir gehen mit unseren Kundinnen und Kunden einkaufen, machen gemeinsam einen Spaziergang oder gestalten mit Ihnen den Alltag. Bei Pflegebedarf unterstützt unser Spitex-Team. Die Mitarbeitenden fördern durch aktivierende Rehabilitationspflege die Selbständigkeit unserer Kundinnen und Kunden und stärken deren Selbstvertrauen in die eigenen Kompetenzen. Anhand der vorliegenden Verordnung und den Wünschen der Kundinnen und Kunden stellen wir individuell ein Programm zusammen.

Rehabilitation zu Hause ist gefragt

Warum braucht es dafür eine spezialisierte Reha-Spitex?
In den eigenen vier Wänden fühlt man sich oftmals am wohlsten. Es ist der Wunsch vieler älteren Menschen, möglichst lange auch in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Gleichzeitig besteht das Bedürfnis, nach einem akutstationären Aufenthalt die Rehabilitation zu Hause und nicht in einer stationären Einrichtung zu machen. Bisher gab es dafür keinen Anbieter. Mit reha@home besteht nun die Möglichkeit, die Rehabilitation, je nach medizinischer Indikation, im gewohnten Umfeld durchzuführen. Wir bringen also die Rehabilitation nach Hause. Mittels inter- und multidisziplinärer Zusammenarbeit fördern wir die Selbständigkeit der Kundinnen und Kunden und stärken deren Selbstvertrauen in die eigenen Kompetenzen und begleiten sie so zurück in den Alltag.

Was für eine Ausbildung haben die Mitarbeitenden, damit sie aus dem Spital-Entlassene betreuen können?
Unser interdisziplinäres Team besteht aus Physio- und Ergotherapeutinnen-, diplomierten Pflegefachpersonen, Fachangestellen Gesundheit und Pflegehelferinnen und Pflegehelfern. Das diplomierte Fachpersonal und die Fachangestellten Gesundheit verfügen zudem über Wissen im Bereich aktivierende Rehabilitationspflege.

Mehr Miteinander, weniger Silodenken

Wie sehen Sie die Zukunft der Spitex-Branche wie jene von reha@home?
Wir sind der festen Überzeugung, dass sich am Wunsch möglichst lange zu Hause bleiben zu können auch künftig nichts ändern wird. Wir erfreuen uns an immer mehr Lebensjahren und die Verweildauer im Spital wird immer kürzer. Dies wird zur Folge haben, dass die Nachfrage nach @-home Dienstleistungen wohl weiter stark zunehmen wird. Durch geplante Kooperationen möchte reha@home auch im Bereich der Nutzung von «digitalen Unterstützern» in diesem Bereich eine Vorreiterrolle übernehmen. Wünschenswert für den ganzen ambulanten Pflegesektor wäre, dass man weg kommt vom Garten- und Konkurrenzdenken. Die künftigen Herausforderungen im Rahmen der soziodemografischen Entwicklung und dem wachsenden Bedarf an Fachkräften können wir nur begegnen, in dem wir das gemeinsam angehen.


Simon Lutz

ist Geschäftsführer bei reha@home. Das Unternehmen ist der erste Gesamtanbieter rund um die Themen Mobile Rehabilitation, Domiziltherapien, Spitex Pflege, Betreuung und Patiententransport zu Hause. reha@home ist in den beiden Kantonen Zürich und Aargau tätig. Die Dienstleistungen können als Rehabiliations-Setting im Ganzen oder aber auch unabhängig voneinander bezogen werden.

Simon Lutz hat einen Bachelor in Betriebswirtschaft und Master in Managed Health Care. Er war für verschiedene Organisationen im Sozial- und Gesundheitswesen und in der Privatwirtschaft als CFO tätig.