Die Spitex Cadi erbringt in der bündnerischen Surselva ambulante Spitex-Leistungen. Die aktuellen Herausforderungen sind neben Einschränkungen durch Corona die Logistik. Im Winter kommt es immer mal wieder zu Strassensperren und Lawinenniedergängen. Selbst über Helikoptereinsätze in Notsituationen wird nachgedacht. Den Pflegedienst der Organisation leitet seit anfangs November Edwin Wipfli.

Wie «managt» die Spitex Cadi als eher kleinere Spitex-Organisation im Alpenraum die Corona-Pandemie?
Edwin Wipfli: Auch wir halten uns natürlich konsequent an die Vorgaben vom Bund und vom Kanton Graubünden. Wir stellen fest, dass es Kundinnen und Kunden sowie den Angehörigen oft ein grosses Anliegen ist, Personen selbst zu pflegen, die an Covid19 erkrankt sind. Vor diesem Hintergrund gingen uns temporär auch schon Einsätze verloren.


«In der Alpenregion ausreichend geeignetes Fachpersonal zu finden, ist eine Herausforderung»

Edwin Wipfli, Pflegedienstleiter Spitex Cadi


Klientinnen und Klienten kaum erreichbar

Was sind – neben Corona – die grössten Herausforderungen für die Spitex Cadi?
Wie vielerorts ist es eine besondere Herausforderung, geeignetes Fachpersonal zu finden. Viele kennen das Gebiet, in dem wir arbeiten, aus den Ferien: Es beginnt in Tavanasa/Breil-Brigels und endet auf dem Oberalp- respektive Lukmanierpass. Wir haben eine wunderbare Landschaft, aber leider gibt es hier zu wenig Fachkräfte. Eine besondere Herausforderung ist im Winter immer auch die Logistik: Es kommt zu gesperrten Strassen, zu Lawinenniedergängen. Dann erreichen wir Klientinnen und Klienten nur erschwert oder gar nicht. Wir haben in unserer Planung auch schon mit dem Gedanken gespielt, in einer Notfallsituation auf einen Helikopterflug zu setzen. Zum Glück ist es bis jetzt nie dazu gekommen.

Kooperationspartner finden

Seit November leiten Sie den Pflegedienst. Welche Akzente wollen Sie setzen?
Ich möchte die Kooperationen zwischen den verschiedenen Akteuren des Gesundheitswesens in der Surselva fördern. Zunächst geht es darum, geeignete Felder für Kooperationen zu finden und in einem nächsten Schritt die Zusammenarbeit zwischen ihnen und der Spitex Cadi zu entwickeln, dann zu festigen.
 
Sie kommen aus der stationären Pflege. Warum nun der Wechsel in die ambulante Pflege?
In meiner beruflichen Laufbahn war ich schon immer sehr neugierig auf die verschiedenen Aspekte und Herausforderungen die mein Beruf auch in organisatorischer Hinsicht bietet. So sind meine Anfänge in der Intensivmedizin und Anästhesie gewesen. Dort merkte ich irgendwann, dass es mir fehlt, die Menschen auch zu begleiten. Dies konnte ich ändern, als ich in einer Rehaklinik Pflegedienstleiter wurde. Als diese schliessen musste, lag es für mich auf der Hand, in die Langzeitpflege zu gehen und mich der würdevollen Begleitung von älteren, pflegebedürftigen Menschen zu widmen. Ein Eintritt in ein Pflegeheim ist oft ein sehr einschneidendes Erlebnis für diese Menschen. Jetzt möchte ich einen Beitrag leisten, dass Menschen möglichst lange in ihren «eigenen vier Wänden» leben können.


Edwin Wipfli


ist seit November 2021 Pflegedienstleiter der Spitex Cadi. Die Organisation beschäftigt rund 37 Mitarbeitende und hat ihren Sitz in Rabius, das zwischen Breil-Brigels und Disentis/Mustér liegt. Die Spitex Cadi versorgt die rund 7700 Menschen, die in der Sursevla leben, bei Bedarf mit Spitex-Leistungen.

Vor seinem Spitex-Engagement war Edwin Wipfli in leitenden Positionen im verschiedenen Alters- und Pflegeheimen im Kanton Graubünden tätig.