Spitex Freiamt
Martin Radtke Angebot

«Digitalisierung leistet einen wichtigen Beitrag fürs Zuhausebleiben»

Mit rund 30 Mitarbeitenden gehört die Spitex Freiamt im Kanton Aargau zu den mittelgrossen, gesamtschweizerisch zu den eher kleinen Spitex-Organisationen. «In zehn Jahren sehe ich die Spitex Freiamt als Stützpunkt einer regionalen Organisation», sagt Pascal Gregor, der neue Präsident der Spitex Freiamt. Damit formuliert er ein wichtiges, strategisches Ziel.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für die Spitex Freiamt?
Wie in der ganzen Schweiz wollen die Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen so lange wie möglich zu Hause wohnen und dort gepflegt und betreut werden. Eintritte in stationäre Einrichtungen der Langzeitpflege erfolgen später. Mit der steigenden Nachfrage nach ambulanten Leistungen der Spitex steigt auch der Bedarf nach spezialisierten Angeboten. Der Spezialisierungsbedarf zeigt sich vor allem in den Bereichen Palliative Care, Demenz und psychische Auffälligkeiten, zunehmend aber auch bei psychosozialen Themen wie Einsamkeit, Verwahrlosung, Mangelernährung, Sucht und Migration.


«Die Ansprüche an die Spitex verändern sich laufend.»

Pascal Gregor, Präsident Spitex Freiamt


Spezialisiertes Palliative-Care-Angebot

Wie richtet sich eine Spitex-Organisation mit rund 30 Mitarbeitenden auf die zunehmend komplexer werdenden Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden aus?
Sie sprechen mit Ihrer Frage die Grösse der Spitex Freiamt an. Im Kanton Aargau zählen wir zu den mittelgrossen, in der Schweiz wohl eher zu den kleinen Spitex-Organisationen. Zum heutigen Zeitpunkt erfüllen wir die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden in einer hohen Qualität. So hat die Spitex Freiamt in den letzten Jahren unter anderem ein spezialisiertes Angebot im Bereich Palliative Care aufgebaut. Die Ansprüche verändern sich jedoch laufend und wir müssen uns heute die Frage stellen, ob wir in fünf und zehn Jahren noch richtig aufgestellt sind, um den zunehmend komplexer werdenden Bedürfnissen gerecht zu werden.

Im Kanton Aargau gibt es zahlreiche Spitex-Organisationen, die sich zusammenschliessen. Was ist Ihre Haltung zu dieser Entwicklung?
Ich begrüsse diese Entwicklung. Kleine und mittelgrosse Organisationen werden bald nicht mehr in der Lage sein, der steigenden Nachfrage nach ambulanten Leistungen und spezialisierten Angeboten gerecht zu werden. Der Regionalplanungsverband Unteres Bünztal hat dies schon vor etlichen Jahren erkannt und die Gemeinden zusammen mit ihren Spitex-Organisationen aufgerufen, sich zusammenzuschliessen. Vier Spitex-Organisationen in der Region Reusstal-Mutschellen-Kelleramt schliessen sich zurzeit zusammen. Leider hat die Spitex Freiamt dort den Anschluss verpasst.

Digitalisierung hilft bei der Autonomie bis ins hohe Alter

Die Pandemie hat auch gezeigt, dass es im Gesundheitswesen bezüglich Digitalisierung noch Luft nach oben gibt. Wo steht die Spitex Freiamt und wie gehen Sie dieses Thema an?
In der Spitex Freiamt wird viel Wert auf elektronische Daten gelegt. Neue Kommunikationsmittel, Sensorsysteme und technische Assistenzsysteme ermöglichen die Autonomie bis ins hohe Alter. Sie helfen Notsituationen zu verringern und erleichtern den Pflegealltag. Sie entlasten die Pflegenden und die pflegenden Angehörigen. Die Digitalisierung leistet einen wesentlichen Beitrag, um das «Zuhause bleiben» zu ermöglichen. Mit der digitalen Dienst- und Einsatzplanung, der Pflegeplanung und der Pflegedokumentation, dem Qualitätsmanagement und dem Abrechnungsprozesse sowie dem Austausch und der Koordination zwischen Institutionen und Ärzten, Pflegebedürftigen mit ihren Angehörigen organisieren die Spitex Freiamt ihren Berufsalltag deutlich effizienter. Die Digitalisierung vereinfacht die Arbeit; unnötige Arbeitsschritte werden vermieden und es steht mehr Zeit für zwischenmenschliche Zuwendung mit den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen zur Verfügung. Hier sieht sich die Spitex Freiamt gefordert und es gilt, das Bewusstsein und das Verständnis für die Digitalisierung zu festigen und die nächsten Schritte zu planen. 

Wo steht die Spitex Freiamt in 10 Jahren?
Im Vordergrund stehen die Kundinnen und Kunden in Wohlen und Waltenschwil. Auch mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen sollen sie so lange wie möglich zu Hause wohnen und dort gepflegt und betreut werden. Die heutige Spitex Freiamt sehe ich in 10 Jahren als Stützpunkt einer regionalen Organisation.


Pascal Gregor

ist seit Juli Präsident der Spitex Freiamt sowie Inhaber und Geschäftsführer der Camino Consulting AG, einem Beratungsunternehmen für Non Profit Organisationen. Pascal Gregor ist zudem in diversen Verwaltungs- und Stiftungsräten tätig.

Davor war er in operativen und strategischen Führungsgremien im Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich tätigt, so unter anderem als Direktor der Stiftung Diakonat Bethesda in Basel (Akutspital und Alterszentren), als Geschäftsführer der Integra, Stiftung für Behinderte im Freiamt in Wohlen, als Präsident der Organisation der Arbeitswelt Gesundheit und Soziales Aargau, Brugg und als Verwaltungsrat der Careum Weiterbildung AG in Aarau.