Die Spitex Biel-Bienne Regio hat gleich zu Beginn der Pandemie ein eigenes Covid-19-Team geschaffen. «Wir haben die Mitarbeitenden nochmals speziell geschult, etwa im Umgang mit Schutzmaterial und mit den Eigenheiten von Corona», sagt Markus Irniger, Geschäftsleiter. Mit welchen Massnahmen bekämpft die Organisation den Covid-Blues bei den Mitarbeitenden? «Wir schauen, dass unsere Mitarbeitenden regelmässig ihre Ruhetage erhalten und sie auch einhalten.» Die Organisation verfüge zudem über ein grosszügiges betriebliches Gesundheitsmanagement.

Wie betreuen Sie Kundinnen und Kunden, die aus dem Spital nach einer starken Covid-Erkrankung entlassen wurden?
Das Spital deklariert beim Klientenaustritt, ob für den Klienten noch eine Isolationsanordnung bezüglich Covid besteht. Ist dies der Fall, wird der Klient automatisch ins Covid-Team überführt und durch dieses betreut. Im Covid-Team arbeiten speziell ausgebildete Mitarbeitende. Die Spitex Biel-Bienne Regio verfügt über ein eigenes Schutzkonzept für unsere Mitarbeiter, das den Vorgaben des BAG entspricht.


«Vom grosszügigen betrieblichen Gesundheitsmanagement profitieren unsere Mitarbeitenden – und wir als Betrieb in dieser anspruchsvollen Zeit.»

Markus Irniger, Geschäftsleiter Spitex Biel-Bienne Regio


Aus dem Spital, wenn kein zusätzlicher Sauerstoff nötig ist

Welche speziellen Therapien oder Pflegemassnahmen wenden Sie an? Setzen Sie auch Geräte ein, beispielsweise um Sauerstoff zu verabreichen?
In der Spitex sind und waren Sauerstofftherapien immer möglich. Unsere Erfahrung aus dem Jahr 2020 ist jedoch, dass Klienten mit Covid-19 erst aus dem Spital entlassen werden, wenn keine Sauerstofftherapie mehr nötig ist. Bei der Betreuung kommen deshalb meist Messungen der Sauerstoffsättigung und Verabreichungen von speziellen Medikamenten sowie die Überwachung von Vitalfunktionen zur Grundpflege hinzu. Unsere Mitarbeitenden arbeiten mit den nötigen Schutzmaterialien bestehend aus Schutzkittel, Maske, Brille, Handschuhe und Füsslingen.

Erneute Schulung

Werden die Mitarbeitenden nochmals speziell geschult, bevor sie aus dem Spital-Entlassene betreuen?
Wir haben im März 2020 ein Covid-Team gegründet. Es besteht aus allen Berufsgruppen und Einsatzorten. Wir haben die Mitarbeitenden nochmals geschult, etwa im Umgang mit Schutzmaterial und mit den speziellen Eigenheiten von Covid-19. Dieses Team betreut seit Beginn der Pandemie erkrankte Klienten für die ganze Spitex Biel-Bienne Regio und ihre Aussenstandorte Pieterlen und Evilard. Regelmässige Up-Dates und Refresher halten die Mitarbeiter stets auf dem aktuellsten Wissensstand.

7/24-Covid-Hotline für die Mitarbeitenden

Die Pandemie ist zunehmend belastend, gerade für Pflegefachkräfte. Wie unterstützt ihre Organisation die Mitarbeitenden?
Seit Beginn der Pandemie haben wir regelmässige Task-Force-Sitzungen und eine Covid-Hotline bei der sich die Mitarbeitenden rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche melden können. Bei Bedarf gehen wir individuell auf die Mitarbeitenden und ihre Bedürfnisse und Fragen ein. Wir schauen, dass unsere Mitarbeitenden regelmässig ihre Ruhetage erhalten und sie auch einhalten. Wir konnten dies dank zahlreicher sehr flexibler Mitarbeitenden bis jetzt sehr gut umsetzen. Zudem verfügen wir seit Jahren über ein grosszügiges Betriebliches Gesundheitsmanagement. Davon profitieren die Mitarbeitenden – und wir als Betrieb in dieser anspruchsvollen Zeit.

Mehraufwand soll entschädigt werden

Was für eine Unterstützung wünschen Sie sich von der Politik?
Aktuell geniesst das Gesundheitswesen ein besonderes Augenmerk. Wir leisten aber nicht seit der Pandemie einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft, sondern tun dies seit vielen Jahren. Meist werden wir aber mit Sparmassnahmen gestraft, die es uns zunehmend verunmöglichen, unsere Arbeit mit gutem Gewissen und mit der gelernten Sorgfalt auszuführen. Schön wäre es, wenn wir auch nach der Pandemie für unsere Arbeit und unseren Einsatz die verdiente Anerkennung erhalten würden. Zudem würden wir uns wünschen, dass sich der Kanton an den Kosten des zusätzlichen Schutzmaterials beteiligen würde. Aktuell erhalten wir für die aufwendige Pflege von Covid-Patienten weder vom Kanton noch von dem Krankenversicherer eine spezielle Entschädigung für unseren Mehraufwand.


Markus Irniger

Ist seit 2011 Geschäftsleiter der Spitex Biel-Bienne Regio. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 200 Mitarbeitende. Die Spitex Biel-Bienne Regio unterstützt Klienten der Stadt Biel, sowie der Gemeinden Evilard-Magglingen, Pieterlen und Lengnau. Zur Organisation gehören die Spezialleistungen Kinderspitex, sowie die Kompetenzteams Palliative Care, Ambulante Psychiatrie, Wundmanagement und Nachtdienst.

Seit 2015 ist Markus Irniger im Vorstand des Spitex Verbandes des Kantons Bern und seit 2019 Co-Vizepräsident. Er ist Präsident des Verwaltungsrates der BelleVie Suisse AG (Tochtergesellschaft von 7 Spitexorganisationen) Zudem engagiert er sich als Präsident des Vorstandes des Vereins Praktische Ausbildung Biel-Bienne. Bevor Markus Irniger zur Spitex stiess, war er in unterschiedlichen Führungsfunktionen bei verschiedenen Krankenversicherern tätig, zuletzt als Regionaldirektior bei der Swica in Bern.