Anna Sprenger hat soeben eine Führungsausbildung absolviert und leitet in der Spitex Wettingen-Neuenhof ein Team. Sie hat sich zur Weiterbildung entschlossen, weil sie gerne Verantwortung übernimmt und sich in ihrer Organisation noch stärker einbringen will. Anna Sprenger führt gerne über Ziele und weiss, wie man Teammitglieder überzeugt, einen ungeliebten Dienst doch zu übernehmen.

Sie haben gerade Ihre Prüfungen fürs Zertifikat Leadership abgeschlossen. Wie lief es, kann man gratulieren?
Der September hielt einige Prüfungstage für mich bereit. Mein Bauchgefühl sagt, dass es gut lief. Für eine Gratulation ist es zu früh. Hierfür müssen wir uns bis anfangs November gedulden, dann werden die Resultate mitgeteilt.

Gleiches Kerngeschäft, andere Finanzierung

Andreas Meyer von mySpitex hat den Spitex-Rucksack an Sie weitergereicht. Da Sie Ihre Wurzeln in Deutschland haben, will er wissen, ob es aufgrund Ihrer Praxiserfahrung Unterschiede zwischen der Spitex in Deutschland und der Schweiz gibt. Was antworten Sie?
In Deutschland wird die ambulante Pflege häufig über die «Sozial-Station» abgedeckt, deren Träger die Caritas, respektive die Kirche ist. Auch in Deutschland gibt es immer mehr private Anbieter. Das Kerngeschäft der ambulanten Pflege habe ich in Deutschland und in der Schweiz gleich erlebt. Ich bin Dienstleisterin für Körper- oder Wundpflege bei den Menschen zu Hause und unterstütze beim Medikamenten-Management. Eine weitere Aufgabe der ambulanten Pflege ist die Unterstützung im Haushalt, etwa den Wochenkehr. Auffälligster Unterschied ist die Finanzierung der Restkosten. Hier

Anna Sprenger, Teamleiterin, Spitex Wettingen-Neuenhof

«Führung ist unabhängig vom Alter möglich.»


Anna Sprenger, Teamleiterin, Spitex Wettingen-Neuenhof

übernehmen dies vielerorts die Gemeinden. In Deutschland wird ein Pflegeantrag gestellt, der eine Pflegegradeinstufung nach sich zieht. Entsprechend des Pflegegrades beteiligen sich die Krankenkassen bei der Finanzierung. Ein anderer grosser Teil ist die Eigenfinanzierung durch die Klienten selbst sowie durch Leistungen des Sozialhilfeträgers; auch hier wirken die Gemeinden mit aufgrund der gesetzlichen Verpflichtung. Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz müssen Pflege- oder Betreuungsleistungen, die nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen aufgeführt sind, privat bezahlt werden.

Mithelfen, die Spitex zukunftsfähiger zu machen

Zudem interessiert Andreas Meyer, was Sie motiviert hat, in der Spitex eine Führungsfunktion zu übernehmen. Was ist Ihre Motivation?
Als junge, dynamische Pflegefachfrau, die bereits drei Jahre vor der Teamleitungsanstellung in der Spitex Wettingen-Neuenhof gearbeitet und an diversen internen Projekten mitgewirkt hat, war ich fest entschlossen, meinen kreativen Input noch stärker in den Betrieb einzubringen. Nach dem Motto «aus dem Betrieb – für den Betrieb» bin ich sehr motiviert, die Spitex Wettingen-Neuenhof zu unterstützen, weiter voran zu bringen und noch zukunftsfähiger zu machen. Zudem fühlte ich mich bereit, mich weiterzuentwickeln – ich suchte eine neue Herausforderung. Ausserdem wollte ich zeigen, dass das Erlernen von Führungsfähigkeiten unabhängig vom Alter möglich ist. Die Spitex Wettingen-Neuenhof ist ein Ausbildungsbetrieb. Als junge Teamleiterin habe ich auch eine Vorbildfunktion gegenüber unseren Auszubildenden. Sie sollen sehen: «Alles ist möglich».

Weniger Fehler durch klare Kommunikation

Welche Führungseigenschaften schätzen die Mitarbeitenden an Ihnen am meisten?
Die Mitarbeitenden schätzen meine sachliche Art, sowie die Tatsache, dass ich Dinge rasch erfasse, sie auf den Punkt bringe, präzise benenne und zusammenfasse. Dies ist vor allem bei der Kommunikation von Aufträgen hilfreich: Es kommt zu weniger Rückfragen oder fehlerhaften Abläufen. Ebenfalls nehmen sie mich als Führungsperson wahr, die nicht über sie oder andere wertet, sondern hier ebenfalls einen starken Bezug zur Sachebene behält. Sie erleben täglich viel Vertrauen, das autonomes Arbeiten zulässt. Dabei stehe ich stets als Ansprechperson mit Rat und Tat zur Seite. Wir sind mehr ein grosses Uhrwerk, bei dem die Zahnräder ineinander greifen als ein Team mit einer Teamleitung «weit oben».

«Schweizweit wahrscheinlich das beste Team»

Wie bringen Sie Ihr Team weiter?
Ein ganz natürlicher Beitrag hierfür ist mein quirliges, fröhliches Naturell, was auf viele Menschen motivierend und erfrischend wirkt. In meinem Berufsalltag arbeite ich gerne mit Zielen. Die Erfahrung zeigt, dass dies sehr motivierend wirken kann. Zudem ist mir wichtig, regelmässige Feedbacks zu geben und einzuholen, um alle Teammitglieder in ihrem Job zu bestärken, den sie Tag für Tag erbringen.

Spitex-Rucksack
Véronique Tischhauser-Ducrot startete den «Spitex-Rucksack», gab ihn an Monika Müller-Hutter weiter, die wiederum Andreas Meyer nominierte, der ihn nun an Anna Sprenger weitergereicht hat. Persönlichkeiten, die in oder für die Spitex-Branche tätig oder mit ihr verbunden sind, beantworten Fragen. Zum Schluss geben sie den Spitex-Rucksack weiter und stellen der nächsten Person die erste Frage.

Wie überzeugen Sie eine Person aus Ihrem Team, einen wenig geliebten Dienst doch zu übernehmen?
Das ist eine fantastische Frage! Als Teamleiterin braucht es Verhandlungsgeschick. Doch entscheidend ist, dass ich eine Win-Win-Situation für beide Seite schaffen kann. Sonst macht mindestens eine Partei im Anschluss die Faust im Sack, was nicht gut ist. Zum Glück erfahre ich immer wieder grosse Unterstützung in meinem Team – wahrscheinlich ist es schweizweit das beste…

An wen wollen Sie den Spitex-Rucksack weitergeben und was wollen Sie von dieser Person wissen?
Den Spitex-Rucksack gebe ich gerne an eine andere Anna weiter: Anna Stadelmann ist Teamleiterin einer Psychiatrie-Spitex in der Region Entlebuch im Kanton Luzern. Von ihr will ich wissen, was aktuell die Herausforderungen auf der Psychiatrie-Spitex sind.


Entweder oder?

Entweder lernen oder arbeiten? Beides: Lernen und arbeiten.
Führung theoretisch besprechen oder praktisch leben? Ich bin Praktikerin.
FC Wettingen oder SC Freiburg? SC Freiburg!


Anna Sprenger

ist seit Sommer 2019 Teamleiterin bei der Spitex Wettingen-Neuenhof. Sie führt das Team Lägern mit 10 Mitarbeitenden. Zudem verantwortet sie die die professionelle Pflegedokumentation inkl. Kommunikation mit den Krankenkassen.

Kürzlich hat sie die Ausbildung mit dem Zertifikat Leadership abgeschlossen. Die Grundausbildung zur Pflegefachfrau hat sie im Loretto-Krankenhaus, einem Lehrkrankenhaus in Freiburg im Breisgau, Deutschland, gemacht. Über ein Praktikum während ihrer Ausbildung fand sie den Weg in die ambulante Pflege.